beziehung lohnt sich – immer!

Vor ein paar Tagen war ich mal wieder mit einer meiner ältesten Freundinnen aus Schulzeiten verabredet. Es war ein Mädels-Nachmittag. Also fuhr ich natürlich ohne das Mini-Menschen-Mädchen. Obwohl mich das Mamasein doch schon deutlich verändert hat und meine Prioritäten ganz anders liegen, genieße ich so kleine Inseln im Alltag mittlerweile sehr. Wir trinken Kaffee, quatschen ganz viel und ohne Unterlass und abends kehren wir eigentlich immer in unserem Lieblings-Thai-Restaurant ein. Als ich also so ganz allein im Auto saß, die Musik voll aufgedreht hatte und so über die Autobahn düste, dachte ich an die vorausgehende Verabschiedung zu Hause. Ich dachte an unsere kleine Frieda, die mir glücklich winkte, mir Handküsse zuwarf und mir sagte, dass sie mich liebe. Sie lachte, ihre Augen strahlten. Es gab keine Tränen, keinen Abschiedsschmerz. Völlig normal werdet ihr jetzt vielleicht sagen. So soll es ja auch sein. Kinder müssen sich von Anfang an daran gewöhnen, dass Mama auch noch ein Leben hat, auch Zeit alleine verbringen möchte und Papa (oder andere Verwandte und Bekannte) sich mindestens genauso gut um das Menschenkind kümmern kann. Ja, nein, vielleicht. Je nach Kind und speziellen Bedürfnissen vielleicht mehr oder weniger gut möglich, für uns alle allerdings undenkbar!

Bei uns war es also keineswegs so und das fühlte sich für uns Eltern immer auch gut, richtig und wichtig an. Unsere kleine Frieda wollte von Anfang an nur Mama und niemanden anderes. Sie wollte den ganzen Tag lang ausschließlich von Mama getragen werden, neben oder noch besser in ihrem Arm schlafen, mit Mama spielen, von Mama gefüttert oder gewickelt werden. Papa durfte wenig bis gar nichts und alle anderen Leute sowieso noch weniger. In den kompletten ersten 14 Monaten blieb ich also stets und ständig bei ihr. Wenn ich mich mit Freundinnen traf, nahm ich unseren kleinen Lieblingsmenschen mit. Ich ging mit ihr shoppen in der Stadt, zum Einkaufen, mit dem Hund eine Runde um den Block, sogar zu Arztterminen nahm ich Frieda mit. Sie war immer um mich herum, war immer dabei. Nicht nur ein Jahr lang, sondern länger. Eigentlich sogar noch viel länger, wenn man mal von den 3 oder 4 Stunden Betreuungszeit in der KiTa, in denen ich nach der Elternzeit wieder als Lehrerin arbeitete, absieht. Abendliche Aktivitäten gab‘ es bei mir nicht. Allerdings muss ich sehr deutlich sagen, dass mir solche Abende auch ganz und gar nicht fehlten. Hier ist sicher jede Mama auch anders. Ich blieb aber gerne zu Hause! Dass ich davon überzeugt war, unserer Frieda das Bedürfnis nach Mama-Nähe so lange zu erfüllen bis sie sich von selbst langsam trennt, kostete mich übrigens sogar eine Freundschaft. Ja, super Freundin. Nicht. Ich habe jedenfalls unserem Mini-Menschen-Mädchen das Bedürfnis nach Mama-Nähe so viel und doll erfüllt, wie es nur eben ging. Das war mir total wichtig. Vielleicht das Wichtigste überhaupt!

Erst rund um ihren 2. Geburtstag bemerkten wir dann eine deutliche Veränderung. Eine Veränderung, die ganz allein von ihr aus ging. Frieda äußerte immer mal wieder, dass sie lieber mit Papa zum Spielplatz oder in die Eisdiele gehen wolle. Dass sie auch gerne mit Guido zu Hause bleibe, obwohl ich einkaufen musste oder zur Klassenfahrt fuhr. Trennungen waren irgendwann nicht nur kein Thema mehr für sie, sondern sie selbst trennte sich. Es ging von ihr aus. Sie war bereit dazu. Natürlich bleibt sie nur bei den Menschen, die sie gut kennt und mag sehr mag, aber bei denen dann gerne. Mit einem Lächeln im Gesicht.

Manchmal überlege ich, ob eine KiTa-Eingewöhnung nicht jetzt mit 2 1/2 Jahren besser, einfacher und unkomplizierter abgelaufen wäre. Dann aber komme ich ziemlich schnell zu dem Gedanken, dass KiTa-Eingewöhnungen für unsere Frieda niemals ganz einfach gewesen wäre – egal wann, egal wie, egal wo. Vielleicht wäre es sogar noch schwieriger geworden. Wir werden es nie wissen. Was die das Bedürfnis nach Mama-Nähe angeht, würde ich es immer wieder ganz genau so machen, wie wir es fast 2 Jahre lang gemacht haben. Wir waren wirklich immer für sie da, haben kein „bei Oma bleiben“ trainiert (allerdings wohnen unsere auch zu weit weg). Sie hat sich den Zeitpunkt für erste kleine Abnabelungen selbst ausgesucht und uns allen ging es wirklich fabelhaft damit. Beziehung lohnt sich – immer. Ich bin jedenfalls total davon überzeugt, dass ein bedürfnis- und beziehungsorientiertes Aufwachsen das größte Gut ist, was wir unseren Mini-Menschen-Kindern geben und ermöglichen können.

Waren Trennungen bei euren Kindern auch von Anfang eher schwierig oder seid ihr der Typ „Null Problemo“? Wer passt alles auf eure Kinder auf und habt ihr das trainiert? Ich bin gespannt.