das leben spielend begreifen

ALLTAGSGESCHICHTE „Katzenbaby, Minka? Hast du Hunger?“ höre ich Frieda mal wieder sagen. Ich nicke und maunze, hebe ein Pfötchen. Unser Mini-Menschen-Mädchen ist die Katzenmama Melody, ich bin ihr Katzenkind und darf so tun, als trinke ich an ihrer Brust. Mit den Worten „Och, komm‘ mal her. Bist du müde? Ich halte dich.“ werde ich fest in den Arm genommen. Als der Papa das Kinderzimmer betritt, miaut unsere Tochter ihm zu: „Komm‘ Kater, Mikesch. Spiel‘ mit.“ Und natürlich spielt Papa auch mit so gut er kann, denn sich so intensiv auf kindliche Rollenspiele einzulassen kann ja nicht jeder so gut – selbst wenn man eigentlich will. Wenn man das als Mama oder Papa nicht so gut kann oder auch gar nicht will, finde ich das übrigens auch nicht wirklich schlimm. Guido aber genießt es inzwischen auch sehr und spielt seine Kater-Rolle wirklich fabelhaft. So oder so ähnlich laufen sie ab, Friedas momentanen Lieblingsspiele. Und natürlich spielen wir mit. Wir spielen ihre Spiele und sie ist die Regisseurin.

mit Rollenspielen leben verarbeiten

Rollenspiele sind im Moment die Highlights unseres Mini-Menschen-Kindes und wenn es nach ihr ginge,würden wir kaum etwas anderes spielen. Neben den Klassikern „Einkaufen und an der Kasse bezahlen“ und dem „Arztbesuch“, für die wir natürlich auch etliche Requisiten haben, spielen wir aber auch sonst viele erlebte Szenen aus unserem Leben und dem Alltag ganz ohne Objekte nach. „Komm‘, wir fahren nach Berlin. Setz dich hin. Der Teppich ist das Auto. Nein, hier. Du musst in den Kindersitz und dich anschnallen.“ Unsere Frieda schnallt uns sanft an und düst dann los. Guido und ich sitzen hinter ihr in unseremimaginären Auto, sind imaginär angeschnallt und nerven sie mit den üblichen Fragen. „Wie lange dauert’s eigentlich noch?“, „Wann machen wir eine Pause?“, „Liest du mir etwas vor?“ oder rufen von hinten: „Ich will ein Eis.“ Reality Bites – Voll das Leben eben. Ein Evergreen, der immer geht, ist natürlich auch der Besuch der KiTa. Das spielen wir meistens mit vertauschten Rollen. In diesem Fall spielt Frieda nämlich mich, die das Kind (also dann mich) in die Kita bringt, weil sie selbst ja zur Schule muss. Die gespielten Verabschiedungen sind mal so, mal so. So wie unser echtes Leben auch.

Ich spiele gerne. Immer schon. Verlernt habe ich es nicht, denn ich habe nie wirklich aufgehört zu spielen. Rollenspiele mag ich auch total und sie sind mir auch auf dem Weg zu KiTa und Schule in der vollen S12 am frühen Morgen nicht peinlich. Dann maunze ich eben, na und? Mini-Menschen-Kinder brauchen Rollenspiele. Es ist in meinen Augen so immens wichtig Erlebtes so zu verarbeiten, Ängste abzubauen, seinen eigenen fantastischen Ideen und Gedanken freien Lauf zu lassen und sich auch noch in eine andere Rolle hineinzufühlen. Das sind doch die ersten Schritte in Richtung Empathie und so schaffen sie es unsere Welt mit anderen Augen zu sehen. Und genau das ist ja auch total spannend. Durch diese gespielten Geschichten erfahren wir nämlich nochmal viel deutlicher, wie unser Mini-Menschen-Mädchen verschiedene Situationen unseres Lebens wahrnimmt und erlebt. Und wenn sie dann mal wieder mit ernstem Blick die Zahnbürste schwingt und mir in harschem Tonfall erklärt, dass Zähneputzen unbedingt sein müsse, dann weiß ich ja, wie ich wohl allabendlich dabei aussehe und hinterfrage dann lieber doch nochmal meine Vorgehensweise.

Welche Rollenspiele spielt(e) euer Mini-Menschen-Kind denn besonders gerne und… spielt ihr gerne mit oder müsst ihr euch dazu durchringen?