meine persönlichen nervspiele

In den letzten 12 Minuten ist unsere Frieda mindestens 33. Mal mit ihrem Roller um die Ecke gedüst. Der Ablauf ist immer der Gleiche: Sie behauptet in die Schulen fahren zu müssen und ich muss traurig zurück bleiben. Beim Abgang versichert sich Frieda auch nochmal, ob „Mama wirklich richtig traurig“ ist und manchmal muss ich so tun als ob ich weine. Ich frage sie dann, wann sie wiederkomme und sage ihr, dass sie sich bitte beeilen soll. „Halb Uhr“ antwortet Frieda, nimmt ihre Tasche und düst los. Aus der Küche höre ich dann die Aufforderung nochmal weinen zu sollen. Sie will immer wieder im gleichen Setting den gleichen Dialog abspulen. Besonders beliebt bei ihr ist auch das Puppen-Machtspiel. Eine beliebige Puppe aus unserem Fundus soll dann von mir bespielt werden. Die Puppe muss verschiedene Fragen stellen. Sie möchte etwas essen, möchte spielen oder zum Beispiel Musik hören. Unser Mini-Menschen-Mädchen verbietet ihr konsequent alles. Alles Bitten und Anflehen Seitens der Puppe führt leider zu keiner Begnadigung. Geteilt wird nichts. Alles ihrs. Die wilde Verfolgungsjagd mit dem BobbyCar und einem Frontalzusammenstoß mit beliebigen Möbeln ist ebenfalls ein riesengroßer Renner im Moment. Frieda versucht sogar damit unsere Hundedame Grete zu rammen, aber da hört der Spaß  für mich selbstverständlich auf. Anstatt zu Lenken wird das Bobbycar  außerdem vorne angehoben und lautstark fallen lassen. Rums! Sie will uns jagen, wir sollen sie jagen. Es ist schnell und irre laut.

Alle diese Spiele gehen mir ein klitzekleines bißchen auf die Nerven.  Ihre actionreichen Lieblingsspiele, das Nicht-Teilen-Wollen-Spiel oder die Verabschiedungsnummer sind inzwischen zu meinen ganz persönlichen Nervspielen geworden. Es fällt mir so schwer immer wieder die gleiche Leier zu spulen. Immer und immer wieder. 100. Mal am Tag. Darf man als Mama eigentlich sagen, dass man von den immer wiederkehrenden Spielwünschen des geliebten Menschenkindes etwas genervt ist? Ich bin mir da manchmal nicht so sicher. Werde ich deshalb vielleicht als nicht-liebende Mama abgestempelt? Ich wage es trotzdem und sage… Manchmal bin ich genervt – echt! Ich mag es zu malen, zu basteln, zu lesen, im Kaufmannsladen einzukaufen, die kranke Puppe mit dem Arztkoffer erst zu versorgen oder einen Kaffeeklatsch mit ihnen zu veranstalten. Ich mag Leo Lausemaus hören oder Conni, sogar gerne zum 1000. Mal die gleiche Folge. Ich liebe LÜK oder mache gerne auch Brett- und Gesellschaftsspiele aller Art. Alles das ist nicht so nervig für mich wie diese gespielten Szenen, die immer wieder den gleichen Ablauf haben.

Ich weiß nämlich, dass diese Spiele immens wichtig ist. Für sie und für uns. Es ist unserem Mini-Menschen-Mädchen ein echtes Bedürfnis Alltägliches nachzuspielen und das soll sich ihr auch erfüllen. Rollenspiele, Machtumkehrspiele, Bindungs- und Powerspiele. Sie braucht sie alle so dringend und unbedingt. Sie braucht sie für eine gute Bindung, für ein ausgeglichenes Gemüt, um sich auszupowern, um auch mal selbst bestimmen und jemandem die Meinung geigen zu können und auch, um ihre Kooperationsbereitschaft spielerisch zu fördern, ohne mit Strafen oder Belohnungen arbeiten zu müssen. Sie spielt Szenen aus ihrem Alltag nach. Gesehene Szenen und natürlich auch selbst erlebte. Sie verarbeitet sie so und kann sich so das nächste Mal noch besser auf die Herausforderungen einlassen, da sie die Situation dann ja schon durchgespielt hat. Bestimmt gibt ihr das ganz viel Selbstvertrauen und Sicherheit. Ganz oft übernimmt Papa Guido die Rolle des Actionplayers und trotzdem versuche ich mich zusammenzureißen und all‘ diese Wunschspiele auch mit ihr zu spielen. Sie braucht es, aber trotzdem darf ich doch sagen, dass es mich manchmal echt nervt, oder?

Gibt es Spiele, die euch nerven?

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