intuitiv essen mit der familie

Seit einigen Wochen befinde ich mich nun schon auf einem ganz guten Weg mein intuitives, natürliches und angeborenes Essverhalten wiederzuerlernen. Auf dieser Reise ist es ganz besonders spannend für mich, unsere kleine Frieda in ihrem ganz normalen Umgang mit Essen zu beobachten. Ich erzählte euch bereits davon. Trotzdem kommen mir immer wieder Fragen auf. Müsste oder sollte ich ihr das sechste Weingummi nun verbieten? Verlange ich von ihr auch gesunde Sachen zu essen oder vertraue ich ihr und ihrem Körper? Wird er nicht sagen, was er braucht und wann er satt ist? Fragen über Fragen. Ich bin sicher, es interessiert euch auch brennend, wie andere Mamas mit dem Thema Essen bei ihren Mini-Menschen-Kindern umgehen und freue mich aus diesem Grund sehr, dass mir Katharina von Intueat in einem tollen Interview Rede und Antwort steht.

INTERVIEW MIT KATHARINA VON INTUEAT

Katharina ist 38 Jahre, hat drei Kinder (Vincent 5, Valentin 3 und Vitus 1) und lebt in Tägerwilen in der Schweiz. Sie hat Intueat bei der „Höhle der Löwen“ im Fernsehen gesehen und war sofort begeistert. Sie selbst hatte viele Jahre ein gestörtes Essverhalten. Das hatte sich in den letzten Jahren zwar schon verbessert, trotzdem hat ihr dann intueat eine neue Freiheit geschenkt, über die sie sehr glücklich ist. Da sie schon seit einigen Jahren als Trainerin und Coach arbeitet und einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund hat, ist sie bei intueat nun dafür verantwortlich, den Offline-Vertrieb aufzubauen. Sie haben schon sehr viele Ideen und wir können gespannt sein, was in naher Zukunft kommen wird. Juhuuu!

Kinder sind von Natur aus intuitive Esser. Wie versuchst du als Mama deine Kinder in diesem natürlichen Essverhalten zu unterstützen? Ich denke, zuerst einmal ist es wichtig, dass ich selbst ein entspanntes Verhältnis zum Essen habe. Und ich habe festgestellt, dass das intuitive Essen hierfür einfach der Schlüssel ist. Wenn ich selbst gelassen bin, gibt es auch für die Kinder keinen Grund ein unnatürliches Essverhalten zu entwickeln. Der zweite Punkt, der für mich wichtig ist, ist, das Vertrauen zu haben, dass meine Kinder schon intuitiv merken, was sie brauchen. Ich versuche also, sie dadurch zu unterstützen, dass ich mich nicht zu viel einmische. Und ich kaufe möglichst unverarbeitete Lebensmittel, zumindest, was unsere Hauptmahlzeiten betrifft. Für Süßigkeiten gilt das nicht.

Dürfen deine Kinder also essen wann sie wollen und was sie wollen? Naja, wir haben schon einen strukturierten Tagesablauf und das finde ich auch ganz gut so. Aber im Rahmen dieser Struktur versuche ich, den Kindern ihre Freiheit zu lassen. Ein Beispiel: Wenn es bei uns Frühstück gibt, hat Valentin immer schon richtig Hunger und isst dann meistens eine echt große Portion Porridge – das liebt er. Vincent hat morgens ganz wenig Hunger und isst dann auch entsprechend wenig. Da mische ich mich nicht ein. Valentin dagegen hat dann meistens am Abend kaum Hunger. Es ist dann für mich auch völlig in Ordnung, wenn er am Abendessen fast nichts isst.

Mäkelige Esser gibt es ja unter Kindern oft. Was rätst du oder machst du, wenn Kinder bestimmte Lebensmittel – vorwiegend gesunde Sachen – verschmähen und noch nicht einmal probieren wollen? Meine Strategie ist hier, dass ich bei den Mahlzeiten alles anbiete, sie aber selbst entscheiden dürfen, was sie davon haben wollen. Wenn es am Abend zum Beispiel Kartoffel, Fischstäbchen, Spinat und Ei gibt, dürfen die Kinder selbst entscheiden, was sie davon essen wollen. Wenn einer nur Kartoffel isst und der andere nur Ei, dann kommentiere ich das nicht. Ehrlich gesagt, kommentiere ich das nicht MEHR. Ich selbst bin mit recht vielen Zwängen aufgewachsen. Ich möchte meiner Mutter da gar keinen Vorwurf machen; sie hat alles nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Aber diese Zwänge saßen bei mir ziemlich tief und ich bin immer noch im Lernprozess. Ich habe aber festgestellt, dass die Kinder freiwillig anfangen, Lebensmittel zu probieren, sobald ich den Druck heraus nehme. Vincent hat mich vor kurzem beim Essen gefragt, ob er vom Kohlrabi haben darf. Würde ich ihn alternativ immer nötigen, von allem probieren zu müssen, wären die ungeliebten Lebensmittel schnell so negativ besetzt, dass er sie schon aus Protest ablehnen würde und wir hätten einen ständigen Kampf, der die Atmosphäre am Tisch belastet und generell das gemeinsame Essen schnell negativ besetzt.

Für die meisten Familien ist das gemeinsame Essen am Tisch total wichtig und wird als „Quality-Time“ gesehen. Hier wird oft vom Tag erzählt. Gibt es bei euch feste Mahlzeiten, zu denen die ganze Familie am Tisch sitzt / sitzen sollte und etwas essen muss? Ja, wie oben erwähnt, gibt es feste Zeiten, aber jeder entscheidet selbst, wieviel er möchte. Wir haben zum Beispiel am Abend das Ritual, dass wir uns alle an den Händen halten und „piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb, es ist schön dass es euch gibt, guten Appetit“ sagen. Mal sehen, wie lange die Kinder das noch cool finden. Ich glaube einfach, dass das Ritual nichts damit zu tun hat, was und wieviel jeder isst. Das Zusammenkommen am Abend finde ich schön und wichtig. Den Fokus auf das Essen und andauernd wertende Kommentare dazu (wie ich es aus meinem Elternhaus kenne) finde ich aber mittlerweile richtig schlimm. Gegen Sätze, wie „du hast gut gegessen, ich bin stolz auf dich“, „von allem wird probiert“, „wenn du den Brokkoli aufgegessen hast, darfst du aufstehen“, „nimm doch noch eine Portion“, oder „iss deinen Teller leer“ bin ich mittlerweile richtig allergisch.

Du lebst ja selbst auch das intuitive Essen. Setzt du dich dann neben deine Kinder an den Tisch wenn sie essen und isst selbst nichts? Für ganz viele Mamas fühlt sich das befremdlich an. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich das tatsächlich. Oder ich knabbere von den Paprika oder Karotten oder Gurken, die ich für alle aufgeschnitten habe. Aber oft habe ich auch Hunger und dann esse ich eine große Portion, bis ich satt bin. Dadurch, dass der Fokus nicht mehr darauf liegt, die „Essleistung“ der Kinder zu kommentieren, liegt auch bei mir und auf dem, was ich esse, kein Fokus. Ich finde es schwierig, wenn man seinen Kindern sagt, sie sollen von allem und auch noch möglichst eine große Portion essen, und man selbst hält sich an die eigenen Vorgaben nicht. Wenn aber alle frei sind, kann ich es auch sein.

Findest du, dass Kinder jeden Tag mindestens einmal warmes Essen zu sich nehmen müssen? Nein, als Dogma finde ich das nicht. Aber bei uns ist es schon so, dass es meistens eine warme Mahlzeit am Tag gibt. Oft essen die Kinder sogar zwei Mal etwas Warmes. Am Mittag gibt es immer etwas schnelles, zum Beispiel Reste vom Vortag oder Pfannenkuchen oder so. Und am Abend, wenn dann auch mein Mann zu Hause ist, gibt es meistens etwas Warmes. Manchmal vespern wir aber auch nur. Ehrlich gesagt, ist gerade bei uns immer so ein Trubel und der Kleine ist noch so anhänglich, dass ich nicht so die Muße habe, tolle Rezepte auszuprobieren. Es gibt bei uns meistens ziemlich einfache Gerichte; nicht ungesund, aber einfach. Wenn der Kleine etwas größer ist und dann auch mit den beiden anderen spielen kann, werde ich wahrscheinlich wieder mehr Zeit finden und dann werden die Gerichte auch wieder besonderer werden. Im Moment finde ich das gerade etwas schwierig. Aber das wird wieder.

Wie macht ihr das mit den Süßigkeiten? Vertraust du deinen Kinder da vollkommen und musst den Süßigkeitenkonsum nicht regulieren? Was das betrifft, sind wir auch noch dabei, unseren Weg zu finden. In der Theorie finde ich es eigentlich am besten, wenn die Süßigkeiten tatsächlich frei zugänglich sind und sich die Kinder nehmen dürfen, was sie möchten. Denn wenn der Reiz des Verbotenen wegfällt, wollen sie wahrscheinlich gar nicht so viel. Bei uns ist es aber so, dass die Süßigkeiten so deponiert sind, dass sie sie nicht selbst nehmen können. Denn ich habe den Eindruck, dass es unterschiedliche Gründe gibt, warum die Kinder Süßigkeiten wollen. Wenn sie zum Beispiel mit Freunden spielen und Spaß haben und dann etwas süßes essen wollen, sage ich eigentlich immer ja und gebe ihnen etwas. Es hat sich bei uns auch eingebürgert, dass die Kinder nach dem Abendessen immer noch eine Süßigkeit als Nachtisch bekommen. Das funktioniert wunderbar und die Kinder quengeln auch nicht oder wollen mehr oder so. Das passt und ist in einer guten Balance, denke ich. Aber es gibt auch noch die Variante, dass der Große aus Langeweile, wenn gerade kein Kumpel da ist, ich keine Zeit habe und er sich noch nichts selbst zum Spielen gesucht hat, Süßigkeiten essen möchte. Dann sage ich nein. Wie gesagt, ich weiß nicht, ob das der beste Weg ist und vielleicht antworte ich etwas anderes, wenn du mich in einem Jahr nochmal fragst, aber das ist bei uns der aktuelle Stand.

Wie fühlt es sich für dich an, wenn eines deiner Kinder seit Tagen immer nur die gleichen Lebensmittel zu sich nehmen möchte? Das kommt aufs Lebensmittel an. Valentin ist ja zum Beispiel so ein kleiner Porridge-Junkie (also Haferflocken in Milch aufgekocht; oft rühre ich auch noch einen Frühstücksbrei mit Nüssen etc. mit rein). Da bin ich ganz entspannt, wenn er das jeden Tag essen möchte. Bei trockenen Nudeln (die der Kleine gerade ganz toll findet), bin ich nicht ganz so gelassen. Ich versuche aber, mich davon frei zu machen. Wenn es Nudeln gibt, und er keine Soße möchte, dann eben nicht. Das ändert sich auch wieder.

Die Sache mit dem Teller-leer-essen-müssen. So etwas gibt es bei euch nicht, oder? Nein, nicht mehr. Bei uns werden aber trotzdem sehr wenige Lebensmittel weggeworfen. Ich frage die Kinder vorher, was und wieviel sie wollen. Von daher bleiben meistens keine Berge auf dem Teller zurück. Wenn mein Mann und ich noch Hunger haben, essen wir die Teller der Kinder auch noch leer. Ich nehme mir manchmal schon etwas weniger selbst, da ich das schon kalkuliere. Wenn ich aber satt bin und der Rest auf dem Teller nicht mehr wirklich appetitlich aussieht, werfe ich den Rest weg. So frei bin ich mittlerweile.

Gibt es Verwandte oder Bekannte, die euren Umgang mit dem natürlichen Essverhalten und eurem intuitiven Lebensstil merkwürdig finden oder sogar kritisch beäugen? Ja, meine Mutter. Sie wohnt aber weiter weg, daher sehen wir uns nicht so oft. Wenn wir uns sehen, kommt es auch manchmal zum Streit, da ich es schwer herunterschlucken kann, wenn sie zu meinen Kindern die Sätze sagt, die mich selbst so lange belastet haben.

Was möchtest du deinen Kindern in Bezug auf das intuitive Essen unbedingt mit auf den Lebensweg geben? Ich wünsche mir, dass für sie essen etwas ganz natürliches bleibt. Ich selbst bin mit so vielen Zwängen aufgewachsen und ich hoffe, dass ich es schaffe, diese nicht weiterzugeben. Ich glaube mittlerweile, dass ich auf einem ganz guten Weg bin – Dank intueat – und dafür bin ich sehr dankbar.

Danke dir von Herzen, Katharina!

Wie geht ihr mit dem Süßigkeitenkonsum eurer Mini-Menschen-Kinder um? Wieviel dürfen sie? Was dürfen sie? Gibt es bei euch feste Mahlzeiten zu denen sie etwas essen müssen? Dürfen sie die Lebensmittel selbst auswählen oder wird bei euch gegessen, was auf den Tisch kommt?“.

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