mamsein als fulltimejob

ALLTAGSGESCHICHTEN Guido und ich haben Ferien. Im Sommer ja bekanntlich auch recht lang. Unsere Frieda geht in der Ferienzeit mal mehr, mal weniger in die KiTa. Also, eigentlich geht sie im Moment gar nicht. Wir haben uns im Vorfeld zwar überlegt, dass es vielleicht nicht so gut sein könnte, wenn sie die kompletten sechs Wochen Schulferien aus dem KiTa-Takt gerät, aber wir genießen unsere freie Zeit gerade total. Wir leben und lieben unseren Ferienalltag so sehr, dass ich mir just wünschte, die Ferien würden ewig gehen. Ich könnte mir sogar sehr, sehr, sehr gut vorstellen gar nicht mehr zu arbeiten, sondern einfach nur noch zu Hause zu sein und die Mutti zu machen. Einfach nur Hausfrau und Mama – nicht mehr, nicht weniger. Echt jetzt. Ich bin Mama aus Leidenschaft, ich brenne darauf Zeit mit unserem kleinen Lieblingsmenschen zu verbringen. Ich liebe es neben ihr ohne Weckerklingeln aufzuwachen. Ohne Hektik und Eile in den Tag zu starten, zu frühstücken und zu spielen. Irgendwann mal die üblichen Läden im Veedel abzuklappern und zu besorgen, was noch besorgt werden will. Gemeinsam mit unserer Frieda zu kochen und den Haushalt zu schmeißen (mit allem, was so täglich anfällt), aber eben auch zu lesen, zu singen, zum schwedischen Möbelriesen zu fahren, zum Baumarkt zu düsen, zu bummeln, mich  ab und zu mit anderen Mamas mit ihren Mini-Menschen-Kindern zum Frühstück in einem Kindercafe oder im Streichelzoo zu treffen und mit unserer Hundeoma Grete Gassi zu gehen. Zwischendurch darf es dann gerne auch mal ein netter Familienausflug sein. Mir gefällt das. Auch, wenn unsere Frieda manchmal einen miesen Tag hat oder ganze Phasen mit schlechter Laune. Klar ist das dann zum Teil etwas schwieriger, aber noch lange nicht so als würde man arbeiten, finde ich. Ja, ich habe nur ein Mini-Menschen-Kind und nicht zwei oder mehr, aber  die Entscheidung trifft man ja nunmal. Das ist für mich also kein Argument, denn das hat sich ja jeder selbst so ausgesucht. Ich bin jedenfalls echt gerne eine Art Familienmanagerin unserer Kleinfamilie und finde diesen Job gar nicht so nervenaufreibend, schwer, schlimm und stressig, wie man bei anderen Mamas immer so liest und hört. Sorry, Leute! Ich finde neben den ganzen ToDos findet man nämlich als Vollzeitmama trotzdem immer noch genügend Zeit für kleine, schöne, abwechslungsreiche Unternehmungen im Alltag. Will vielleicht gerade nicht jede Mama lesen und hören, ist aber meine Erfahrung. Auch, wenn ich mir jetzt vielleicht keine Freunde mache: Ich finde das Mama-Sein mit allem drum und dran echt weniger anstrengend als nebenbei auch noch arbeiten zu gehen. Nochmal sorry! Mamsein als Fulltimejob in unserer eigenen Familie wäre also das absolut Richtige für mich.

Ich liebe aber meine Arbeit als Lehrerin für Sonderpädagogik an unserer Schule auch sehr. Ich kann morgens super aufstehen, gehe jeden Tag mit einem tollen Gefühl zur Arbeit, mir liegen alle meine Schüler unglaublich am Herz und ich mag meine Kollegen total. Ich kann mir beruflich niemals etwas anderes vorstellen. Ich bin mit Herz und Seele Lehrerin. Würde ich nicht arbeiten, würde mir sicherlich irgendwann etwas Wichtiges fehlen. Vielleicht die Selbstverwirklichung, die innere Befriedigung etwas zu leisten, zu schaffen, zu verändern, Menschen zu unterstützen und dabei einfach ein Mensch unter vielen Menschen zu sein, der etwas bewirkt. Das macht mich glücklich, das motiviert mich und treibt mich an. Der intellektuelle, geistige In- und Output ist ebenfalls super wichtig für mich. Bestimmt spielt zudem auch die äußere Anerkennung eine gewisse Rolle. Ja, und das liebe Geld natürlich auch. Mit dem verdienten Geld tun wir dann nämlich Dinge, die uns auch wiederum glücklich und zufrieden machen. Würde ich nicht arbeiten gehen, wären einige Sachen, die uns aber „lieb und teuer“ sind, einfach nicht drin. Klar, man könnte runterschrauben, wenn man es wollte. Wir allerdings wollen und lieben es so, wie wir es machen. Außerdem arbeite ich auch „nur“ in Teilzeit und Frieda ist jeden Tag lediglich bis zu 4 Stunden in der KiTa. Was Familienzeit angeht, geht es uns als Lehrer ja sowieso noch richtig, richtig gut – da kann man sich echt nicht beklagen. Die Unterrichtsvorbereitungen und der ganze andere Kram, der natürlich zu Hauf anfällt, kann aber auch bei uns gerne bis abends warten, wenn das Menschlein schläft.  Da ist uns unsere gemeinsame Zeit zu wichtig zu. Alles in allem haben wir also einen total familienfreundlichen und rundum tollen Job, finde ich (das können andere Lehrer allerdings durchaus anders sehen – es ist nur meine Meinung!) Den Job an den Nagel hängen, um jetzt Vollzeitmama zu werden? Neee, passt für mich irgendwie auch nicht richtig, obwohl ich tatsächlich ein klitzekleines bißchen zur Vollblutmami mutiert bin. Irgendwie komisch. Ich kann nicht richtig mit, aber auch niemals ohne.

Wie ist das bei euch? Seid ihr Vollzeitmamas und zu Hause oder arbeitet ihr? Wie anstrengend findet ihr das Managen einer Familie oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

7 Comments

  • Ich bin zur Zeit mit unserer zweiten Tochter Zuhause in Elternzeit. Aber wie bei der ersten, geht es nach 12 Monaten wieder zurück in meinen Job. Vollzeit, 8 Stunden. Ich verbringe auch super gern die Zeit mit unseren Mädels, die Große war jetzt 4 Wochen Zuhause durch einen Kitawechsel. Aber ich liebe auch meinen Job und würde geistig echt verblöden nur Zuhause zu sein. Ich habe auf Arbeit Gleitzeit, dass ist eine feine Sache. So kann ich auch auf fast jede tägliche Situation bei den Kindern eingehen. Wie du es schon ansprichst, ist es ebenfalls eine Geldfrage. Man kann alles runter schrauben, aber wir möchten unseren Kindern auch etwas bieten. Damit meine ich jetzt nicht, dass sie die aller teuerste Markenkleidung anhaben sollen. Aber mindestens 1 mal im Jahr sollte schon ein Urlaub drin sein. Dabei sind wir eher die Autoreisenden und nicht die Fliegenden. Auch so machen wir jedes Wochenende Familienausflüge und gehen auch öfters Essen. Das möchte ich nicht mehr missen. Mit Kindern und Vollzeitjob muss man sich disziplinieren, alles gut zu takten. So dass ich Nachmittags Zeit für die Kinder habe und die restlichen Sachen entweder in meiner Mittagspause (Einkaufen etc.) oder auf spät Abends verlagere.

  • Du schließt jetzt nicht von Ferien auf Alltag, oder? Entspannte Morgende und da in Ruhe in den Tag starten? Das ist mit einem Schul- und einem KiGa-Kind absolut unrealistisch. Es liest sich bei Dir toll, ohne Frage, spiegelt aber nicht meine Realität mit drei Kindern, die völlig unterschiedliche Bedürfnisse haben, wieder. Wenn der Mittlere im KiGa ist, bleiben etwa 2-2,5 Stunden, bis der Große wieder da ist. Ohne Arbeiten gehen gibts nämlich keine Betreuungsplätze. Ich beschwere mich nicht, ich liebe meinen Fulltime-Mamajob, aber ich glaube, viele, die es nicht selbst erleben, geben sich Illusionen hin. Unsere Kinder sind Mittags, spätestens ab 14 Uhr (KiGa schließt) alle da. Dreifache Wäsche, Haushalt, Freizeitaktivitäten, es ist eine Menge Logistik, drei Kinder zu organisieren, ein Großteil des Tages besteht daraus, Kinder zu Befördern, dazz Hausaufgaben, Probleme lösen, Spielen, Zuhören, Kochen etc. Daher, ich kann nicht wirklich beurteilen wie Dein Leben Arbeit + Kinder ist, genauso kannst Du aber meinen Alltag nur von Aussen betrachten. Man kann sich etwas wünschen, vorstellen, aber wie das Leben in anderer Konstellation wirklich ist, weiß man nicht. Ich finds aber wirklich schade, wenn Mütter über andere Mütter sagen, sie hätten ein entspanntes Leben und Vollzeitmama sein, sei kein Vollzeitjob. Mama sein ist immer eine (schöne) Herausforderung. Alle Konstellationen haben Vor- und Nachteile. Daher finde ich Deine Vorstellung grad ein bißchen idealistisch, falls ich das sagen darf. Aber darf man sagen, dass Vollzeitmama sein anstrengend ist, ohne, dass es als „Beschweren“ ausgelegt wird? Ich beschwere mich nicht, für mich ist es Fakt, trotzdem ist es mein gewünschtes Leben. Genauso glaube ich Dir, dass die Doppelbelastung auch anstrengend ist. Wenn aber keiner Zuhause ist fällt auch teilweise weniger Arbeit Zuhause an. Das bedingt sich gegenseitig. Ich denke, egal wie, machen die allermeisten Mamas ihren Job toll. Ob nun als Vollzeitmama Zuhause oder teilweise im Beruf mit Hilfe bei der Betreuung.

  • Liebe Denise,

    ich danke dir sehr für deinen ausführlichen Kommentar. Ich habe etwas überlegt, ob ich auf antworte oder nicht, da ich befürchte, dass es ein Hin und Her werden könnte. Ich mache es nun doch, weil ich mich (oder meinen Beitrag) nicht verstanden fühle und ich deine komischen Gefühle bzgl. meines Beitrags gerne aus der Welt schaffen würde. Außerdem möchte ich sehr gerne deine Ausgangsfrage beantworten.

    Ja, ich schließe von Ferien auf den Alltag, weil unsere Ferien unser Alltag wären, wenn ich nicht arbeiten würde und unsere Frieda dann auch folglich nicht in die KiTa gehen würde. Keine Illusion – das wäre definitiv unser Leben bis zur Einschulung in ca. 4 Jahren. Natürlich spiegelt mein Beitrag nicht deine Realität wider, denn es ist ja auch mein Beitrag, es sind ganz alleine meine Gedanken zu meiner kleinen Familie, in meiner Lebenswelt. Ich versuche hier keine allgemeingültigen Aussagen zu treffen oder verschiedene Perspektiven und Lebensentwürfe zu beleuchten. Weil es ganz allein mein Beitrag ist, habe ich mit keinem Wort behauptet, dass das VollzeitMamasein in anderen Konstellationen (mehr Kinder, andere Umstände – ausgesucht oder nicht) nicht auch anstrengend, stressig und schwierig sein kann. Mein Leben als Vollzeitmama wäre es allerdings nicht so sehr, wie andere Mamas oft sagen und schreiben. Die Doppelbelastung mit Arbeit und Familie ist es allerdings in viel höherem Maße für mich.

    Ich hoffe mit meinen zusätzlichen Erklärungen, die in meinen Augen allerdings nur eine Wiederholung meiner Gedanken im Beitrag sind, habe ich für dich nochmal etwas mehr Klarheit reingebracht?! Wie fühlt sich das jetzt für dich an? Liebste Grüße, Julia

  • Julia,das hätten meine Worte sein können.Vielleicht auch,weil wir den gleichen Job machen,wobei meiner zur Zeit nur so mittelmäßig toll ist.
    Ich find euch super!
    Ihr machts genau richtig…
    Und mal ganz nebenbei,Lehrer sollen mal aufhören zu morzen…Viele Grüße vom Gardasee,wo wir grad mit dem frisch Kitaeingewöhnte Kind sind…das wird ein SpaßAber die gemeinsame Zeit ist es uns wert…

  • Hi, lieb, dass Du antwortest. Meinst Du wirklich, dass der Alltag die Realität wäre, die Du nun erwartest? Allerdings ist bei mir die Zeit mit nur einem Kind lang her und es war keiner U3 im KiGa, weil man als Mutter ohne bestehenden Vertrag ohnehin keinen KiTaPlatz bekommt, angemeldet waren sie. Daher stellte sich die Frage nie. Ich würde nur nie wirklich Aussagen treffen, ob mein Leben nun anstrengender ist oder es mit Job und Kind fremdbetreut wäre, weil es völlig verschiedene Lebenssituationen mit unterschiedlichen Anforderungen und Anstrengungen sind. Die andere Lebensform kennt man eben nicht. Schade finde ich einfach, dass man oft nicht die Wahlfreiheit hat. Aber ich höre öfter, dass Vollzeitmamadasein unstressig, faul oder keine Arbeit sei (jetzt nicht von Dir) und da finde ich schade, wenn auch in die Kerbe geschlagen wird, da jeder nur im eigenen Lebensumfeld vermuten kann. Mein Mann hatte da auch Illusionen, erst als er dann mal einige Monate Zuhause war, hat er festgestellt, dass das mit Kindern irgendwie Vollzeit doch ganz anders ist als er sich das so gedacht hatte und hat definitiv mehr Respekt vor meinem Job. Nicht, dass man den Elternjob nicht liebt. Ich möchte es momentan nicht ändern und nein, ich bilde mir ein, nicht zu „verblöden“ ;-), aber es ist schon zermürbend, wenn man selbst unter anderen Müttern Vorurteilen begegnet. Wenn keiner Zuhause ist, kann auch keiner Unordnung machen. Manchmal würde ich auch gern einfach mal was konzentriert machen und nicht gegen ein wildes Kleinkind und gegen die Uhr arbeiten, da ich eben KiGaKind und Schulkind ständig abholen, bringen oder sonst organisieren muss und dazwischen hüpft etwas Kleines herum. Allerdings fand ich damals ein Kleinkind als Einzelkindmutter was ganz anderes bzw. merke das erst jetzt. Wenn hier mal ein Kind auswärts ist, also bei Oma oder einem Freund schläft, merkt man das sofort. Daher, aus meiner Sicht, sind alles Jobs, ob auswärts oder im Haus. Verantwortung trägt jeder. Bei FB hab ich Dich aber so verstanden, als wolltest Du auch polarisieren und Meinungen? Ich kann nicht beurteilen, ob ich Kinder + Arbeit, dafür Kinder fremdbetreut, anstrengender oder weniger anstrengend fände. Vermutlich fände ich die Doppelbelastung auch anstrengend, aber anders anstrengend. Aber ich genieße es, dass sie noch so klein sind und werde auch nicht für immer und ewig die angenehme Position haben, Vollzeit für die Kinder da zu sein, sie werden so schnell groß und so wird sich auch unsere Konstellation ändern. Liebe Grüße!

  • Hallo
    Ich habe zwei Kinder im Alter von 5 und 7 Jahren. Liebe Mamas denkt Bitte auch an eure Rente. Die Teilzeitfalle ist die eine Sache. Aber jahrelang nicht mehr arbeiten gehen…..puuuh so viele Frauen denken. …bis das der tot uns scheidet…..und dann zackig alleine und arm im Alter. Bitte Vorsicht mit so Gedankenspielen.

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