die sache mit der me-time

ALLTAGSGESCHICHTE Unsere Frieda hat den besten Papa, den sie sich wünschen kann und ich somit den allerbesten Typen der Welt. Klar! Guido ist so wahnsinnig voller Liebe für unser kleines Mini-Menschen-Mädchen, liest uns jeden Wunsch von den Lippen ab und würde alles für uns tun. Er flitzt, baut, kauft ein, putzt, wäscht, saugt genauso viel oder wenig wie ich. Guido renoviert, streicht, repariert und handwerkt. Er spielt, malt, knetet, liest vor und liebt Familienausflüge genauso wie wir und er tröstet, pustet, küsst und kuschelt gerne. Er erfüllt unsere Herzenswünsche und ist für uns da. Guido verbringt sehr viel Zeit mit unserer Frieda und ist inzwischen ein stolzer Daddy geworden. Einen anderen oder besseren Papa könnte es für uns auf jeden Fall nicht geben. Klar!

Nicht immer ist aber alles friedlich

Natürlich ist bei der Familie Friedlich zu Hause aber auch nicht immer alles nur fröhlich und friedlich. Zu Beziehungen gehören nunmal auch Konflikte, die dann hoffentlich so gelöst werden, dass alle daran wachsen. Während wir Interessenskonflikte mit unserem Mini-Menschen-Mädchen inzwischen für uns persönlich ganz zufriedenstellend meistern, bei Wut oder Traurigkeit ihre Emotionen begleiten und für sie da sind, üben Guido und ich das mit den Konfliktlösungen in partnerschaftlichen Auseinandersetzungen allerdings noch. Wir beide könnten dem jeweils anderen da zum Beispiel durchaus noch weniger Vorwürfe machen und mehr Ich-Botschaften senden – also fairer streiten. Ich könnte sowieso weniger jammern und schimpfen und er generell mehr reden, am besten auch über Gefühle. Was bei uns zu Hause (mal mehr, mal weniger) auf den Tisch kommt, ist die Sache mit der Me-Time, der ganz eigenen Zeit mal ohne Partner und Kind. Ich gebe zu. Ich bin eher der Typ Glucken-Mama, der seit der Geburt des Mini-Menschen-Mädchens nicht mehr unbedingt vor die Tür muss. In der Schule bei meinem Job ist viel los, zu Hause mit Kind ist viel los und abends mag ich dann gerne meine Ruhe – unter der Woche und auch am Wochenende. Ich muss in keine Kneipe, tanz auf keiner Party, muss nicht zwangsläufig unter Leute. Muss nicht oft raus zum Essen oder ins Kino. Selbst das Gebrabbel aus der Flimmerkiste nervt mich, genauso wie zu viel Musik. Manchmal treffe ich gerne liebe Freundinnen auf einen Kaffee (oder zwei), aber abfeiern oder abends ausgehen muss ich nicht. Zur Entspannung brauche ich eigentlich nur mich, Zeit und Ruhe. Ich mag es für den Blog zu schreiben. Meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Ich liebe es zu lesen, irgendwas Schönes für Frieda vorzubereiten oder mich in der Badewanne zu entspannen.

Obwohl ich nicht viel rausgehen mag, brauche ich aber dennoch Zeit für mich. Nicht so wahnsinnig viel, aber ich brauche sie. Weil ich aber eben nicht rausgehe (und dann also auch nicht weg sondern doch verfügbar bin) bekomme ich eindeutig viel, viel, viel, unglaublich viel weniger Me-Time für mich als Guido für sich. Guido geht nämlich gerne mit Kumpels im Park Tischtennis spielen. Er geht auch ab und zu mal ins Kino, mit Bekannten in die Kneipe, mit Arbeitskollegen kegeln oder macht einen Musik-Abend bei ’nem Freund. Bis auf das Tischtennisspielen sind alle anderen Unternehmungen auch absolut auf sehr seltene Gelegenheiten reduziert, aber… wenn Guido Freizeit hat, dann hat er definitiv familienfreie Zeit – darum geht’s. Und wenn Frieda dann mal 1 1/2 Stündchen gemeinsam mit ihrem Papa auf dem Spielplatz sind und ich Zeit für mich hätte, nehme ich sie mir nicht. Ich mag es sauber und ordentlich. In der Zeit räume ich dann also erstmal in Ruhe auf, putze oder koche. Ich kann mich irgendwie erst ausruhen und etwas für mich tun, wenn die anderen to-dos alle erfüllt sind. Klingt vielleicht bescheuert, ist aber so. So sitze ich dann in der aufgeräumten Bude und habe noch… 10 Minuten zum Durchatmen bevor die liebste Familie wieder eintrudelt.

Vielleicht bin ich zu viel Mama, kann mich zu wenig lösen. Böse Zungen würden vielleicht behaupten, dass ich für Frieda zu oft über meine eigenen Grenzen gehe. Das stimmt aber nicht. An 28 Tagen im Monat ist das nicht nur okay für mich, sondern ich fühle mich total wohl als „Mama-ohne-Pause“. Mama zu Sein ist das größte und schönste Glück für mich. Ich bin gerne zu Hause und kümmere mich. Manchmal aber dann wird es mir doch zu eng und zu viel. Dann könnte ich schreien und heulen. Bin traurig und wütend. Dann fühle ich mich so ungerecht und unfair behandelt. Selbst Schuld? Muss ich mir ein Hobby außerhalb unserer Wohnung suchen, damit ich an diesen Tagen nur ein klitzekleines bißchen mehr Zeit für mich bekomme?

Jetzt ihr. Ich weiß, ich weiß. Auch ihr habt die tollsten Ehemänner der Welt, die sich wunderbar um die Familie kümmern und ihre Mini-Menschen-Kinder genauso unendlich lieben, wie die Mamas. Ihr habt Männer, die auch den Haushalt schmeißen, die gut kochen können, Fenster putzen und sich nicht zu schade sind den Tierkäfig zu säubern. Aber ziemlich sicher gibt es ja auch bei euch was, was euch nervt, wurmt, was in eurer Beziehung und Familie nicht immer so ganz rund oder fair läuft. Traut ihr euch?

3 Comments

  • Du sprichst mir aus der Seele. Mir geht’s ganz genauso. Ich wünsche mir auch so sehr Zeit zu Hause für mich ganz allein. Ich kann immer mal nach Absprachen etwas unternehmen, aber ich möchte das auch nicht so häufig. Nicht nur weil ich schon früh angefangen habe ein wenig zu arbeiten, teilen wir uns das Kümmern um unseren Sohn. Aber es geschieht schon immer häufiger, dass er abends angezogen vor mir steht wenn ich aus dem Kinderzimmer komme und mir sagt was er jetzt unternimmt.
    Ich habe auch schon überlegt das mal genauso zu machen und zu sehen wie er reagiert… aber da geht’s mir wie dir. Ich hab gar keine Lust auf Biergarten o.ä.
    Und wenn mein Mann einen Tagesausflug mit dem Kleinen ohne mich macht, würde ich mich auch seltsam fühlen. Da entscheide ich mich halt doch immer wieder für die Zeit mit Kind. Denn ich geh ja auch arbeiten und sehe ihn daher drei Tage die Woche quasi gar nicht. Allerdings habe ich auch dre Vormittage pro Woche vor der Arbeit, in denen er betreut wird. Doch da mache ich den Haushalt. Wie das eben so ist…

  • Wir haben zwar keine Kinder, sind aber beide Vollzeit berufstätig und renovieren schon seit einem Jahr das komplette Haus. Wenn ich auch sagen muss, dass es genau das ist, was ich gewollt habe und ich mich genauso gerne verausgabe und meiner Aufgabe widme wie du deinem Kind, so muss ich auch sagen, dass ich im Alltag auch öfter unzufrieden mit und das dann auch lautstark kundtue. Während der Mann eher in sich hineinfrisst und wie auch bei dir, nicht frühzeitig genug kommuniziert. Ich merke dann, dass mir alles zu viel wird und nehme mir frei, mindestens einen ganzen Tag. Zeit nur für mich, obwohl gestrichen und tapeziert werden müsste, obwohl die Küche im Chaos versinkt. Manchmal setze ich mir ein Limit, sagen wir 2 Stunden Arbeit, aber der Rest nur für MICH. Abends merke ich dann, wie ausgeruht ich wieder bin und mit Zufriedenheit erfüllt.
    Ich lese deinen Blog gerne, da du immer so ehrlich schreibst, auch wenn ich keinen Kinderalltag habe und deine antiautoritären Denkweisen auch nicht immer teile. Egal, es ist trotzdem immer eine Bereicherung dich zu lesen. Irgendwie finde ich, dass man auf deinem Blog die Kommentare der anderen nicht sieht. Das finde ich schade (oder finde ich sie nur nicht?), denn ich lese auch gerne die Kommentare der anderen Leser. So viel von mir heute. Eigentlich bin ich nur eine stille Leserin, Zeit für Kommentare nehme ich mir meist nicht.
    LG Lilo

  • Liebe Lilo,

    1000 Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass du mir folgst und immer wieder liest, obwohl du selbst keine Kinder hast. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass es vielen Frauen da ähnlich geht – auch ganz ohne Nachwuchs.

    Die meisten meiner Leser kommentieren bei Facebook und nicht hier auf dem Blog. Keine Ahnung, woran genau das liegt. Dort bin ich allerdings ja auch sehr aktiv und antworte meistens sofort via Handy.

    Einen antiautoritären Erziehungsstil habe ich allerdings nicht. Antiautoritär ist per Definition nochmal was ganz, ganz anderes (und in meinen Augen fatales), aber ich verstehe, dass mein bindungs-, beziehungs- und bedürfnisorientierter Ansatz für viele Menschen auf den ersten Blick sehr antiautoritär klingt.

    Herzliche Grüße aus Köln, Julia

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