für andere sieht es so aus als…

ALLTAGSGESCHICHTE Neulich bin ich am Bahnhof von einer älteren Dame angesprochen worden, die mit ihrem Mann auf die S-Bahn zum Köln-Bonner Flughafen wartete. Sie hatten Koffer dabei und waren wohl auf den Weg in die Sonne. Sie fand‘ unsere Frieda unglaublich bezaubernd und erwähnte auch mehrmals, dass für sie Mini-Menschen-Kinder sowie das größte und schönste Wunder der Welt seien. Ich stimmte ihr natürlich kopfnickend zu. Der Mann war eher weniger entzückt und musterte Frieda und mich von oben nach unten. Seine gesprächige Frau erwähnte dann irgendwann in einem eher empörten Tonfall, dass sie ja gerade schon einem kleines Kind im Kinderwagen begegnet seien, das bis obenhin mit einer dicken Decke zugedeckt gewesen war. Unverantwortlich so etwas und sie habe die Mutter auch darauf angesprochen. Ich hatte an diesem Montag Morgen nun keine große Lust auf eine kleine Grundsatzdiskussion am Gleis 10 des Kölner Hauptbahnhofs. Nicht mit dieser Frau. Nicht montags. Nicht morgens. Nicht am Bahnhof. Nicht auf dem Weg zur Kita und Arbeit und schon gar nicht mit unserer Frieda im Schlepptau. „Vielleicht kann es ja nur so ein- und friedlich durchschlafen?“ entgegnete ich unter anderem kurz. Und mir wurde an diesem Morgen wieder einmal so klar, mit wie vielen Vorurteilen viele Menschen durch das Leben gehen.

Neben so unendlich vielen tollen Begegnungen jeden Tag, spüre ich selbst manchmal auch strafende oder abwertende Blicke von Passanten, wenn ich mit unserer Frieda am Bahnhof stehe. Natürlich weiß ich nicht, was sie über uns denken mögen, aber spannend finde ich es dennoch. Möglicherweise ist Frieda zu dick angezogen oder zu dünn, sie bekommt kein gutes Frühstück von uns, Mama glotzt eh nur ins Handy, Mama ist eh viel zu jung und verantwortungslos und außerdem muss das arme Kind schon morgens am Bahnhof stehen. Die Hintergründe kennt keiner von ihnen. Auch ich gehe leider nicht komplett vorurteilsfrei durch die Welt. Auch ich urteile sicherlich manchmal schnell – viel zu schnell – über andere Mütter, die eigentlich sind, wie du und ich. Es sind fürsorgliche Mütter, die alles für ihr Mini-Menschen-Kind tun würden. Die es bedingungslos lieben, es trösten und in den Schlaf wiegen. Es tragen, beschützen, begleiten und ihnen nunmal Kuscheltücher ins Gesicht legen, wenn sie es eben brauchen. Sie begegnen ihren Kindern auf Augenhöhe und voller Liebe und trotzdem sind sie diesen Blicken und Gedanken der anderen ausgesetzt. Dabei sind es ja alles nur Momentaufnahmen und man weiß viel zu wenig über die Menschen, die dahinterstecken. Wir kennen weder die Lebensgewohnheiten, Vorlieben, noch die Umstände dieser Familie.

Für Außenstehende mag vieles, was wir mit unseren Mini-Menschen-Kindern so machen, komisch und befremdlich aussehen. Es mag sich vielleicht sogar verkehrt anfühlen, weil man es selbst ganz anders machen würde. Manchmal verdrehe auch ich gedanklich schon mal die Augen, wenn die Mama zum Sprössling „Mach mal winke, winke“ sagt. Aber dann denke ich mir: Leben und leben lassen. Am Ende sitzen wir alle im selben Boot und es schadet nicht, einfach mal ein kleines bißchen weniger über andere Eltern zu urteilen. Das werde ich mir jedenfalls jetzt auf die Fahne schreiben.

Seid ihr selbst eher sehr frei von (Vor-)Urteilen anderen Menschen gegenüber oder erwischt ihr euch auch manchmal dabei, wie ihr negativ über andere Mamas denkt ohne sie wirklich zu kennen? Hand aufs Herz!

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