elternabend-drama in drei akten

ALLTAGSGESCHICHTE Es war mal wieder so weit. Der erste KiTa-Elternabend in diesem Jahr stand an. Ich finde es sehr wichtig an einer Elternversammlung teilzunehmen, denn wir wollen den Ort, den unsere Tochter tagtäglich für ein paar Stunden besucht, gerne aktiv mitgestalten so gut wir können und in gewisse Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden. Eigentlich würde ich also sehr gerne zu einem Elternabend gehen, aber wie bei vielen Mamas und Papas sind diese Veranstaltungen auch bei mir extrem unbeliebt. Warum? Weil es einfach der absolute Horror ist und bleibt. Jedes Mal aufs Neue, immer wieder.

1. Akt – Das Warm up

Aber mal ganz in Ruhe. Ich hatte schon einen recht anstrengenden Schultag nebst Lieblingskonferenz hinter mir, schlürfte aber trotzdem ganz guter Dinge rüber in Friedas KiTa, die nur ein paar Meter entfernt von meiner Schule liegt. Die Turnhalle war schön bestuhlt und einige Eltern waren bereits da. Zu meinem Erschrecken stellte ich dann fest, dass tatsächlich einige Eltern ihre Kleinkinder im Schlepptau hatten. Dass sie niemanden sonst für die Betreuung ihrer Mini-Menschen-Kinder hatten, war mir natürlich auch klar, aber kann dann nicht besser ein Elternteil mit dem Nachwuchs zu Hause bleiben? So haben Guido und ich es jedenfalls gemacht. Es ist nämlich für alle Beteiligten wirklich total anstrengend, kleine Kinder zu solche einer Veranstaltung zu schleppen. Überforderung auf allen Seiten, besonders bei den Kindern. Wäre es nicht so traurig und schlimm gewesen, hätte ich mich beim diesjährigen Theaterstück „Elternabend“ an eine schlechte Slapstick-Komödie erinnert gefühlt. Schreierei, erste Streits um Spielzeug, Genörgel wegen Langeweile, Hunger und Durst ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Beim Streit um ein dösiges Küchenhandtuch schlug dann ein Kind einem anderen ins Gesicht. Beide weinten. Der Papa des „Schlägers“ setzte den Jungen dann als disziplinarische Maßnahme in eine Ecke des Raumes, ließ ihn etwas schmoren, erbarmte sich dann nach ca. 3 minütigen Geschrei und holte ihn wieder zu sich auf den Schoß. Mir zerriss es das Herz diesen Jungen da so sitzen und weinen zu sehen. Außerdem hatte ich während dieser ganze Szenerie kein Wort der KiTa-Leitung verstanden. Es schien um Ausflüge zu gehen und darum, dass einigen Eltern sich über mangelnde Ausflüge beschwerten.

2. Akt – die Konfrontation

Im nächsten Akt ging es dann um Seilchen. Für mich als Lehrerin war die Rechnung einfach. 3 und 3. Drei Seilchen, drei Kinder. Passt doch perfekt. Die beiden Zwillingsmädchen allerdings, deren Eltern übrigens auch im Doppelpack am Elternabend teilnahmen, gönnten dem kleinen Jungen keines der drei Seile und so folgte abermals ein ordentlicher Streit mit Schlagen, Schubsen, Schreien und Weinen.  Niemand der Eltern schritt ein. Also klärte ich kurzerhand den Konflikt – irgendwie. Ich musste einfach, es brach aus mir heraus. Vielleicht nicht wirklich heldenhaft, aber es fühlte mich so an, als wäre es ohne meine Mithilfe entweder noch stundenlang weiter- oder irgendwann übel ausgegangen. Nach dem Streit durfte dann also weiter diskutiert werden. Inzwischen waren die erwachsenen Teilnehmer beim Thema „St. Martinsfest“ angekommen. Die Eltern wünschen sich unbedingt einen Laternenumzug mit Gaul und tüchtiger Kapelle. Dass dies für unsere KiTa alleine nicht zu stemmen ist, scheint dabei für sie keine Rolle zu spielen. Sie meckern und motzen was das Zeug hält und kommen dabei natürlich von einem Thema zum anderen. Vertauschte Kleidung, fehlende Hausschuhe, zu hohe Krankenquote unter den Erziehern und sowie zu wenig Personal. Da unsere KiTa in einem sehr multi-kulturellem Stadtteil von Köln liegt, ging es dann natürlich auch noch um die Sprachbarrieren bei Aushängen und die generelle Teilnahme von Eltern an diversen Veranstaltungen. Eine mögliche Weihnachtsfeier-Backaktion mit Eltern wurde zu Tode diskutiert, weil mindestens eine Mama noch (wenig konstruktive) Kritik an allen Vorschlägen der Erzieher übte.

3. Akt – Schluss ohne Lösung

Der dritte Akt unseres Elternabend-Dramas wurde dann eröffnet durch die neverending Story über das Konvektomaten-Catering eines namhaften Zulieferers. Die meisten der Nörgel-Kinder-Eltern hatten inzwischen dann auch endlich mal eingesehen, dass ihre Mini-Menschen am besten zu Hause aufgehoben sind und verabschiedetem sich freundlich. Um aber beim Thema zu bleiben… Dass das KiTa-Essen jetzt nicht gerade das Beste und Leckerste der Welt ist, liegt auf der Hand. Okay, dass man als berufstätige Eltern dann für dieses Essen über 4,50 € am Tag löhnen muss, empfinde ich auch als Wucher. Warum es für manche Eltern aber ein Problem darstellt, wenn dem Nachwuchs nicht jeden Tag Nachtisch serviert wird, erschließt sich mir nicht. Gibt es bei euch zu Hause jeden Tag ein Dessert? Bei uns jedenfalls nicht. Dann wurde noch über falsche Abrechnungen gesprochen. Meistens ohne Punkt und Komma, ohne Wortmeldung, alle Durcheinander, einer lauter als der andere. Jesses Maria! Mir dröhnten die Ohren. Der Höhepunkt war aber dann für mich die hitzige und zum Teil echt unsoziale Debatte über die Teilnahme der Kinder am gemeinsamen Mittagessen, die aufgrund von nicht bezahlten Rechnungen vom Caterer gesperrt sind. Die Erzieher sollen sich an die Liste halten und nur den Kindern Essen ausgeben, deren Rechnungen bezahlt werden. Ja, so ist es. Ohne Moos, nix los. Kein Money, kein Money. Aber das kann doch nicht euer aller Ernst sein? Da sitzen kleine Menschen, die nichts mit  unbezahlten Rechnungen zu tun haben. Und sie sollen jetzt mit knurrendem Magen beim Essen zusehen, während die Wohlstandsbäuche unserer Gutverdiener-Kinder sich angenehm füllen? Wo leben wir denn? Ich war etwas fassungslos und bin es fast immer noch. Das forderten aber tatsächlich ein paar der anwesenden Eltern. Eine wirkliche Lösung für das Problem gab es nicht. Ein neuer, besserer, günstigerer Cateringservice soll her.

Nach 2 1/2 Stunden war ich dann fix und fertig und strich endgültig die Segel. Die Beiratswahl wurde ohnehin vertagt und ich sah zu, dass ich schnellstmöglich zu meinen Liebsten nach Hause kam. – loslassen, auftanken, berührt sein. Übrigens kenne ich auch die andere Seite ganz gut und auch für Erzieher und Lehrer sind diese Versammlung ein Graus. Die merkwürdigen Fragen, die von manchen Eltern so kommen. Jesses Maria. Nun gut. So ist es eben.

Wie sind die Elternabende bei euch?

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