mama darf auch mal wütend sein

wuetend2ALLTAGSGESCHICHTE Gestern war der letzte Tag unserer wunderschönen Herbstferien. Keine KiTa und keine Schule. Zwei Wochen lang. Wir alle haben unsere gemeinsame Zeit sehr genossen. Das tun wir immer in den Ferien. Der letzte Ferien-Sonntag war ganz wundervoll. Wie oft an Sonntagen fuhren wir auch heute zum Reitstall und hatten einen tollen Ausritt mit „unserem“ Pony Willi. Alles war perfekt und schön.  Da ich weiß, dass Veränderungen und Umstellungen für unsere Frieda nicht immer leicht sind, unterhielten wir uns an diesem Tag mehrmals darüber, dass wir am nächsten Morgen früher aufstehen werden und für uns KiTa und Schule wieder losgehen würden. „Ich freue mich auf die KiTa, Mama.“ hörten wir Frieda sagen.

wütend sein und authentisch bleiben

wuetend1An diesem Abend wollte ich, dass unser Mini-Menschen-Mädchen zeitiger als in den Ferien nach dem Sandmann ins Badezimmer schlawinert, um sich die Zähen zu putzen. Und irgendwie musste es ja so kommen – ausgerechnet heute. Dieser wunderschöne Tag endete doch in einem kleinen Drama. Frieda trödelte unglaublich, kramte hier und dort. Konnte sich nicht entscheiden. In diesem Moment fühlte es sich für mich so an, als würden wir dieses Problem niemals lösen können. Ich wurde innerlich etwas unruhig und dachte an den benötigten Schlaf, an das Wecken in der Frühe und den durchgetakteten Morgen. Alles, was ich Frieda dann anbot (und ich habe mittlerweile echt kein so schlechtes Repertoire an unterschiedlichen Möglichkeiten), war verkehrt. ALLES! Ich war nach einigen Verhandlungen genervt und wurde langsam wütend. Das merkte ich. Auch in solchen Situationen authentisch zu sein, meine Gefühle zu zeigen und in Worte zu fassen, ist mir sehr wichtig. Wir sind Menschen und leben miteinander. Da kommt es zu Meinungsverschiedenheiten und Streit. Dann seine eigenen Gefühle wahrzunehmen, anzusprechen und zu führen, das müssen wir unseren Kindern genauso vorleben wie andere Dinge des Alltags. Finde ich zumindestens. Ich sage Frieda, dass mir das gerade zu viel ist. Ich sage, dass ich wütend bin, dass es mir zu lange dauert. Dass ich erschöpft bin. Ich schreie oder brülle nicht, ich werde nicht gemein. Das ist vielleicht menschlich, aber ganz und gar nicht meine Art. Ich strafe nicht. Ich schimpfe nicht. Ich sage in der Stimmung, in der ich gerade bin, wie es mir geht und warum. Für Frieda sind meine Gefühle trotzdem schwierig. Sie ist so empfindsam und leidet in diesem Augenblick sehr. Sie fühlt mit und fühlt sich gleichzeitig schuldig. Unstimmigkeiten fühlen sich für sie wie ein Beziehungsabbruch an. Das kenne ich auch von mir selbst. Ich brauche Harmonie und Frieden – immer. Streit und Ärger mit mir nahestehenden Menschen sind mir ein Graus. Schnell fühle ich mich dann ungeliebt. Frieda auch. Doch gehören die vielschichtigen Gefühle anderer Leute ja nunmal auch zu unserem Leben dazu. Sie hier „in Watte zu packen“ und in einem absoluten Schonraum aufwachsen zu lassen, klingt für mich alles andere als logisch und gut. Die Welt da draussen ist noch viel schwieriger zu verstehen als Mama.

Begleitung, Gespräche und viel Liebe

Ich bin ratlos und hilflos. Ich atme tief durch und nehme Frieda in den Arm. Erst fühlt es sich komisch an, weil ich ja wütend bin. Schnell tut es mir aber auch gut. Wir tanken uns irgendwie gegenseitig auf und spüren unsere Verbundenheit – unser Glück. Ich sage ihr, dass es mir Leid tue und dass sie keine Schuld an meiner Wut habe. Ich sage, dass sie ruhig weinen dürfe und soll. Prompt hörte unser Mini-Menschen-Mädchen auf zu Weinen und war fast in Windeseile für neue Vorschläge offen. Im Bett kuschelten wir uns aneinander und sprachen nochmal in Ruhe über meine Wut und ihre Traurigkeit. Auf meine Frage hin, warum sie so traurig war, sagte Frieda nach einer kurzen Pause: „Weil du so wütend warst.“. „Es fühlt sich für dich nicht schön an, wenn ich wütend bin. Das macht dich sehr traurig. Du bist traurig, weil du denkst, dass ich dich nicht mehr liebe. Ich liebe dich aber immer. Ich liebe dich, wenn ich wütend bin. Ich liebe dich, wenn du wütend bist. Ich liebe dich immer und ich höre niemals auf dich zu lieben.“ „Ich liebe dich auch, Mama.“ und kurz darauf war sie auch schon eingeschlafen. ❤️

Wenn ich merke, dass ich wütend werde:

  • durchatmen und Ruhe bewahren
  • unbedingt in der Nähe bleiben
  • umarmen (wenn es schon geht), Hand halten oder anders Körperkontakt herzustellen versuchen
  • das Gefühl des Kindes begleiten und spiegeln: „Du bist traurig, weil ich so laut gesprochen habe.“ oder „Du bist wütend darüber, weil ich möchte, dass du heute sofort nach dem Sandmann zum Zähneputzen gehst. Das verstehe ich. Mir ist aber wichtig, dass…“ (Beispiel)
  • „Es tut mir leid“ sagen, wenn man etwas lauter oder harsch gesprochen hat. Das mütterliche Gefühl auch nochmal ansprechen.
  • wenn sich alle beruhigt haben den Streit nochmal besprechen (Gefühle aller benennen und Situation beschreiben, sich nochmal verbinden)

Bist du auch manchmal wütend? Was machst du dann? Seid ihr Team-Gefühle-zeigen“ oder lieber nicht? Wie schließt ihr wieder „Frieden“ oder ist dann oft einfach „wieder gut“?

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