den zauber der kindheit bewahren

ALLTAGSGESCHICHTE Ich weiß es noch, als wäre es erst gestern gewesen. Es war ein kalter Wintertag und ich saß an meinem Schreibtisch und malte meinen innigsten Weihnachtswunsch auf einen Wunschzettel. Ich konnte noch nicht schreiben, also malte ich ein schönes Bild von meinem Wunsch. Ich malte ein Paar Rollschuhe. Anschließend legte ich den Wunschzettel von innen auf meine Fensterbank, denn das Christkind würde sich meinen Wunschzettel bald abholen, so erzählte es mir meine Mama. An diesem Tag machten wir einen Ausflug und niemand von uns war zu Hause. Bei unserer Rückkehr lag der Wunschzettel nicht mehr auf der Fensterbank. Das Christkind hatte ihn sich also abgeholt. Wer sonst hätte an diesem Tag den Wunschzettel holen können, wenn es nicht das Christkind persönlich war? Es musste das Christkind einfach geben. Bis heute denke ich oft und gerne an den Zauber meiner Kindheit zurück. Es war ein Zauber, dessen Spannung sich im Laufe der Adventszeit irgendwie ins unermessliche steigerte. All‘ die magischen Geschichten und Gedanken, die mir Rätsel aufgaben. Dazu dann die Stimmung, das Licht und die Vorfreude. Es machte sich ganz besonders wohlige Wärme in mir breit.

„magische Phase“ – normaler zauber

Als wir gestern Morgen unterwegs auf dem Weg zum Hauptbahnhof waren, bemerkte Frieda sofort den hellblau-rosa-orange-rot gefärbten Himmel. Ohne weiter nachzudenken, sagte ich ihr, dass die Engel im Himmel wohl gerade Plätzchen büken. Sie überlegte und stellte spannende Fragen. Unser kleiner Lieblingsmensch ist nun in einem Alter, in dem wir ihr ganz wunderbar geheimnisvolle, fantastische Geschichten weitergeben können. Geschichten, Legenden und Erzählungen, die das zauberhafte Denken unserer Mini-Menschen widerspiegelt und genau der kindlichen Fantasie entsprechen. Es ist die sogenannte „magische Phase“, ein altersbedingter Prozess der Entwicklung, den unsere Kinder von ungefähr 3 bis 5 (oder manchmal auch 6) Jahren durchleben. Alles, was unsere Mini-Menschen-Kinder sich vorstellen, kann für sie in dieser Phase auch Wirklichkeit werden. Gerade die Weihnachtszeit ist ja voller Zauber. Die ganzen Vorbereitungen in der Adventszeit, das Basteln, Schmücken und Backen. Der heilige Nikolaus von Myra, der unseren Kindern heute, so wie den drei Jungfrauen damals, bei Nacht etwas in die Stiefel legt. Das Christkind, dass die Weihnachtsgeschenke unter den Weihnachtsbaum legt. Oder in eher protestantisch geprägten Bundesländern tut dies der Weihnachtsmann. Es gibt aber natürlich auch fantastische, überirdische Figuren, die für unsere Kinder einen besonderen Zauber versprühen. In Friedas Kinderzimmer gibt es zum Beispiel auch eine kleine Feentür, die vielleicht in eine andere Welt führt und aus der eine Fee kommt, um über über den Schlaf und die Träume zu wachsen. Außerdem hören sie sich den Kummer und die Sorgen der kleinen Menschen an und zaubern diese mit ihrem Glitzerstaub fort. Ein wundervoller Gedanke, wie ich finde.

mit dem eigenen Kind nochmal kind sein

Uns Erwachsenen, die wir die Welt verstehen und alles in ihr rational erklären wollen, ist der Glaube an fantastische Wesen abhandengekommen. Was wir nicht wissenschaftlich begründen können, existiert für die meisten von uns nicht. Weihnachten ist für viele von uns zwar immer noch ein ganz wundervolles Familienfest, aber den Zauber der Kindheit hat es irgendwie verloren. Es sei denn, man hat selbst wieder Kinder, deren Augen strahlen, weil das Christkind tatsächlich den Wunschzettel von der Fensterbank abgeholt hat. Ich möchte unserer Frieda jedenfalls die zauberhaften Geschichten und Mythen aus meiner Kindheit, die ich so sehr geliebt habe und die mich im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert haben, weitergeben. Ich selbst genieße es sehr, die wunderbare Freiheit der Gedanken unserer Frieda mitzuerleben und fühle mich dadurch sehr in eine wunderschöne Zeit meiner Kindheit zurückversetzt. Kinder brauchen Liebe und Magie – so lange es geht und sie daran glauben.

Wie denkt ihr darüber? Gibt es bei euch zu Hause auch fantastische Erzählungen und kleine Geschichten über fabelhafte Wesen. Wird die Weihnachtszeit bei euch zu etwas Besonderem, weil ihr euren Kindern von Engeln, dem Nikolaus, Weihnachtsmann oder vom Christkind erzählt?

3 Comments

  • Magische Wesen hatte ich in meiner Kindheit viele. Bei meiner Tochter ist es ab und zu mal ein unsichtbarer bester Freund. Geschlecht wechselnd. Bei uns kommt das Christkind und das wird immer kommen. Denn wir feiern den Geburtstag des Christkindes.

    Aber irgendwann wird sie merken das Mama und Papa mehr als nur Helfer sind und das wir alle gemeinsam den Geburtstag feiern und das es deswegen für alle Geschenke gibt. Aber wir finden es auch total ok, wenn der Weihnachtsmann woanders kommt. Jede Familie darf und soll hier ihren eigenen Weg finden ♥️

    Drück dich und sei Kind, sei wunderbar und lass die Magie in dein Herz!

  • Danke für deine wundervollen Worte. Bei uns kommt ja auch das Christkind, aber natürlich sind wir auch sehr offen für Bräuche anderer Familien, Magie haben wir im Herzen und ich hoffe, dass sie uns alle ein Leben lang erhalten bleibt. ❤️

  • Super schön die Vorstellung mit dem Christkind! Wir haben ein Pixibuch, da kommt ein Engel und holt den Wunschzettel vom Fensterbrett, das finde ich auch super süß. Ich halte mich da etwas bedeckter, weil ich irgendwie nicht „lügen“ möchte, ich weiß auch nicht, tue mich schwer damit. Aber wenn dann sage ich, dass der Weihnachtsmann die Geschenke bringt 🙂
    Liebe Grüße,
    Janina

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