alltag mit hochsensiblem kind #1

alltag1ALLTAGSGESCHICHTE Das Wissen um Friedas Hochsensibilität allein hat schon so manches in unserem Leben leichter gemacht und verändert. Unser Mini-Menschen-Mädchen ist zum Beispiel inzwischen viel mutiger und forscher geworden. Natürlich hilft ihr dabei ganz sicher auch unser sehr bedürfnisorientierter Umgang und eine Begegnung auf Augenhöhe. Trotzdem gibt es immer noch einige Situationen in unserem Alltag, in denen uns die Intensität ihres Fühlens so richtig bewegt. Ab jetzt möchte ich euch in einer lockeren Reihe kleine Anekdoten aus unserem Alltag mit unserem hochsensiblem Kind erzählen. Manche Augenblicke sind vielleicht zum Schmunzeln, andere wiederum zeigen, wie wichtig es ist, hochsensible Kinder mit ihren Gefühlen nicht alleine zu lassen.

5 Millionen Kinder lieben Lotti Karotti

alltag2Neulich waren wir in der Stadt. Wir wollten ein neues Buch kaufen und steuerten voller Vorfreude die hiesige Buchhandlung am Neumarkt an. Natürlich wurden wir schnell fündig und stiefelten zur Kasse. Auf dem Weg dorthin sah ich auf einem Ausstelltisch das berühmt-berüchtigte Spiel „Lotti Karotti“. Jedes Kind hat es, jedes Kind liebt es. Über 5 Millionen verkaufter Exemplare, über 5 Millionen mal unendlicher Spielespaß. Das muss was sein. Ich kannte das Spiel selbst zwar noch nicht, hatte aber auch schon viel davon gehört. Wir fackelten nicht lange und nahmen es mit. In der U-Bahn wurden wir dann auch gleich von einem Paar auf das verrückte Hasenrennen angesprochen und sie versprachen uns, dass wir davon nicht mehr genug bekommen würden. Ihr Sohn habe es noch mit 10 Jahren total geliebt, obwohl er eigentlich schon längst zu alt dafür gewesen sei. Volltreffer. Das muss einfach ein Kracher sein! Zu Hause angekommen gab‘ es kein Halten mehr. Doch die Freude wurde schnell getrübt. Was für andere spannend und lustig ist, kann für unsere Frieda zu einem echten Gefühlschaos werden.

abschied vom Hasen und viele tränen

alltag3Ihr kennt das Spiel sicherlich auch, oder? In Kürze geht das so: Ein paar Hasen machen ein Wettrennen hinauf auf den Hügel zur Riesenmöhre. Je nach Aktionskarte erscheinen Löcher auf dem Weg zum Ziel und das ein oder andere Karnickel fällt natürlich hinein. Lustig. Eigentlich. Vielleicht. Mich traf es zu erst, also ging es einem meiner Hasen an den Kragen. Plumps ins Loch und weg.  Wie sehr das unsere Frieda emotional umhaute, hätte ich mir nicht im geringsten ausmalen können. Sie schrie und weinte. Keine Wut, sondern echte Tränen und Trauer. Dass dieser Hase nun weg war, war alles andere als lustig, sondern löste in unserem hochsensiblem Kind einen Weltuntergang aus. Wer uns kennt, der weiß mittlerweile, dass ich solche Gefühle nicht abtue und den kleinen Lieblingsmenschen nicht ablenke, sondern dass ich sie begleite und anschließend bespreche. Ja, es ist traurig, wenn man sich trennen muss. Verlust ist schlimm, auch wenn es in dem Fall (für uns Erwachsene) nur ein kleiner Hase in einem Spiel ist. Ich mag Trennungen auch nicht gerne und kann diese Gefühle dazu ansatzweise nachempfinden. Also atme ich tief durch und stehe diesen Schmerz mit ihr gemeinsam durch. Guido, der nicht gerade der gefühlsbetonteste Typ ist, hält es kaum aus, will unsere Frieda ablenken und ihr völlig emotionslos erklären, dass so nunmal das Spiel sei und der Hase doch gar nicht weg, sondern unter diesem Hügel liege. Ich winke ab, Friedas Tränen laufen weiter, ich bleibe dran, spiegle, nehme sie ernst. Guido ist kurz davor die Situation zu verlassen, doch dann beruhigt sich unser empfindsamer Lieblingsmensch langsam. Und will natürlich weiterspielen.

Seit letzter Woche ist kein einziger Tag vergangen, an dem unsere Frieda das „Lotti Karotti“-Hasenwettrennen nicht doch spielen wollte. Sie weint immer bei dem Verlust eines Hasen (nicht nur bei ihrem eigenen!), kann sich aber inzwischen schon recht schnell wieder beruhigen und spielt unbedingt weiter und weiter. Klingt für mich fast wie eine von ihr selbst gewählte Konfrontationstherapie. Gehört ab jetzt wohl zu unserem Alltag.

Kennt ihr „Lotti Karotti“? Top oder Flop?

[Jeder Mensch ist anders, so auch jedes hochsensible Kind. Es gibt wahnsinnig viele Facetten von Hochsensibilität und diese eine Anekdote aus unserem Alltag macht allein natürlich nicht Friedas hochsensibles Wesen aus.]

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3 Comments

  • Ich kenne Lotti Karotti und meine Tochter hat es auch, spielt es jedoch nie nach den Regeln. Ich überlasse ihr das Spiel immer erst einmal um zu schauen was sie draus macht. Das ist super spannend, denn sie denkt sich sehr viele Geschichten zu den Häschen aus und baut eine Höhle mit dem Berg etc.
    Wir haben es also noch nie „gespielt“, aber das ist auch okay. Dass es bei euch so eine traurige Stimmung auslöst, tut mir sehr leid.

  • Hier wird Lotti Karotti sehr gerne gespielt. Schön, dass Frieda sich der Konfrontationstherapie stellt und das Spiel immer und immer wieder spielt. Anders sein heißt nicht schlechter sein. Jeder Mensch geht anders mit der Situation um. Das ist normal =)

  • Hallo Julia!

    Lotti Karotti – so top wie bei euch:
    Bei unserem Dreijährigen hatten wir die gleiche Reaktion. Unser Sohn kann nun mal auch nicht über das „Leid anderer“ lachen. (Ehrlich gesagt, finde ich es auch oft schwierig zu erklären, warum es lustig sein soll, wenn ein Hase in ein tiefes Loch fällt, wenn jedoch das Nachbarskind oder auch der Nachbarshund auf die Nase fällt, keiner lachen mag…)

    Nun ja. Mein Kleiner heulte also auch los, als ZACK der erste Hase im dunklen Loch verschwand. Spontan sagte ich, die Hasen seien eigentlich ganz gern in der Höhle und kuscheln da.
    Seit dem tröstet ER MICH immer, wenn mein Hase ins Loch fällt 🙂
    Wir spielen das Spiel sehr gerne.

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