pipi, kacka, pullermann & co

geschlechtsteil1ALLTAGSGESCHICHTE Unsere Frieda interessiert sich nicht erst seit gestern für die Geschlechtsteile von Männern und Frauen. Zu diesem Thema schaut sie sich gerne Bücher an und stellt auch schon so manche Frage. Dass das zu einer normalen Entwicklung im (Klein-)Kindesalter gehört, liegt natürlich auf der Hand. Schneller, als man denkt, muss man also von jetzt auf gleich wissen, wie man die Geschlechtsteile für das Mini-Menschen-Kind nennen will. Gehört habe ich ja schon viele Ausdrücke. Die meisten kommen für uns aber definitiv nicht in Frage…

Vollgepinkelte Windel und Kacka

geschlechtsteile2Die Ausdrucksfrage beginnt natürlich nicht erst mit den Geschlechtsteilen. Bereits mit den vollen Windeln geht’s ja los und es kommen die abenteuerlichsten Namen für das kleine uns große Geschäft. Ich weiß nicht, ob nur ich da so speziell oder empfindlich bin, aber auch da finde ich viele Bezeichnungen schon sehr befremdlich bis abstoßend. Verniedlichte Begriffe wie „Schuschu“ oder „Berglein“ gehen in meinen Augen nicht und solche Ausdrücke kamen uns gar nicht erst in den Sinn. Im Gegenteil dazu gehören aber auch etwas härtere Worte wie „pinkeln“ oder „Kacka“ nicht zu unserem Familienwortschatz. „Kacka“ klingt für mich wie der kleine Bruder von „Kacke“ und dann kann ich irgendwie auch gleich „Scheiße“ sagen. So einfach ist die Rechnung für mich. Und pinkeln? Ach Mensch. Wenn ich mir vorstelle, wer alles so pinkelt, lande ich gedanklich entweder bei einem sehr betrunkenen Mann, der torkelnd auf seinem Weg nach Hause an einer Hecke anhält und dort hinein pinkelt oder bei einem männlichen Hund. Sorry. Dieses Wort ist eben auch nichts für mich. Wir landeten dann wirklich wieder schnell bei „Pipi“ und „Aa“. So hieß das zumindestens immer bei uns zu Hause und das klingt angenehm und vertraut in meinen Ohren. Es ist nicht wirklich verniedlicht, aber auch nicht zu hart. Irgendwann werden wir dann irgendwann auch mal Urin und Kot einführen, aber „setz‘ mal Urin ab“ finde ich dann doch etwas bescheuert. Ihr doch auch, oder?

die Geschlechtsteile – Nomen ist Omen

geschlechtsteile3Was bei der vollen Windel aber eigentlich noch ganz harmlos anfing, nimmt dann bei der Namensgebung der Geschlechtsteile wirklich phantastische, abenteuerliche und abstruse Formen an. Manche davon gehen meiner Meinung nach sowas von unter die Gürtellinie, dass ich sie nicht nennen kann, ohne dass mein Blog wahrscheinlich auf irgendeinem Index gelistet wird. Krass, was da so kommt. Pullermann, Pipimann, Schniepel und Spatz, Mumu, Muschi, Pullerine und Schlitzi sind da wohl noch die Wörter, die ich ohne Bedenken aufschreiben kann, obgleich ich sie allesamt so furchtbar finde. Wobei die Wortkreationen beim männlichen Geschlechtsteil noch etwas verrückter sind, als die für die Frauen. Warum macht man das? Also, ernsthafte Frage jetzt. Weil man sich nicht traut die Geschlechtsteile beim Namen zu nennen? Weil man eine Art Babysprache sprechen muss? Weil kleine Kinder das noch nicht wissen müssen oder sollen? Tatsächlich finde ich in dem Fall die normalen, biologischen Begriffe „Scheide“ und „Penis“ absolut kindgerecht. Sie klingen nicht zu hart und verniedlichen auch nichts.  Wir sagen ja auch „Tisch“ zum „Tisch“ und „Hund“ zum „Hund“ und nicht „wauwau“. Klar, Penis und Scheide sind tatsächlich etwas andere Körperteile als der Arm oder das Bein, denn sie unterschieden sich ja nunmal durch eine Besonderheit von ihnen, aber sie gehören ja trotzdem zum kompletten Menschen mit all‘ seinen Körperteilen dazu. Für mich klingt es total befremdlich Körperteilen einen anderen, fantastischen Namen zu geben. Nomen est Omen und der Name eben schon ein Zeichen…

Das hier sind (wie immer) nur meine ganz persönlichen Gedanken und unsere Alltagsgeschichte. Zu diesem Thema gibt es in meinen Augen wieder mal kein „total richtig“ und kein „völlig falsch“, sondern jede Familie macht es eben so, wie es für sie gut passt. Sie muss damit leben. Alles kann, nicht muss.

Wer von euch traut sich? Was sagt ihr und vor allem warum?

4 Comments

  • musste ein bisschen schmunzeln, dass du Verniedlichungen bei Ausscheidungen komplett normal findest und das bei den Geschlechtsteilen genau das Gegenteil. Aber ist bei mir ähnlich, keine Sorge:
    Aa find ich ein furchtbares und babyhaftes Wort (ist das überhaupt ein Wort?), wir sagen Kacka.
    Penis ist mir wiederum irgendwie zu erwachsen, für mich ist Puller vertrauter aus der Kindheit.

    Ansonsten versuchen wir grad von Pipi auf pullern umzulernen. Meine Tochter ist 1.5Jahre alt und oft windelfrei unterwegs und benutzt so gerne Pipi-nahe Worte (piep piep, Püppi), dass es mit pullern weniger Missverständnisse gibt (:

  • Ich traue mich natürlich 🙂
    Ich sage doch immer alle gerade heraus 😀
    Also, bei uns heißt das von klein auf Scheide, aus dem gleich Grund wie bei Dir. Ich sage tatsächlich selbst Pipi, weil ich jedesmal, wenn meine Schwiegermutter sagt ich muss pinkeln ich denke ich bin bei den größten Asozialen des Dorfs gelandet. Und das große Geschäft hat meine kleine behinderte Tochter selbst bezeichnet als „Stink“ „Muss Stink machen“ darüber mussten wir natürlich das Umfeld in Kindergarten und dann Schule aufklären, aber finde ich sogar individueller und bezeichnender als AA oder Kacka 😀

  • Penis + Scheide – Pipi und Stinki (denn stinken tuts ja meist schon recht stark), und es hört sich besser an als wenn das Kind sagt ich muss Kacka machen 😉 Verniedlichungen sind nicht so unser Ding. Aber auch bei Hund haben wir nie gesagt „guck mal ein Wauwau“ sondern ein Hund, der macht wauwau.

  • Hallo,
    wir benennen auch alles bei den biologischen Begriffen, geben unserer zweijährigen Tochter aber auch den Freiraum eigene Wörter dafür zu finden – solange klar ist, was die Hauptbegriffe sind. Allerdings sagen wir „Vulva“ und „Penis“, denn „Scheide“ ist ja nur ein Teil der Vulva und damit unvollständig. Auf edition f gab es da mal ein gutes Interview mit einer Sexualforscherin dazu. (Meine Mutter fand die Begriffe übrigens viel zu erwachsen und war geschockt, aber ich glaube, das ist reine Gewöhnungssache.)
    Achso, da wir zweisprachig sind, hat mein Mann natürlich andere Begriffe. Wir leben in Schweden und da verniedlicht man eher. Umso wichtiger ist mir deshalb zumindest in einer Sprache ganz korrekt zu bleiben.
    Liebe Grüße,
    Sarah

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