das andersmachen akzeptieren?! nicht.

Mein ganz persönliches Geständnis vorweg: Zu akzeptieren, dass andere Menschen ein bißchen anders mit Frieda umgehen, ist eine meiner ziemlich großen Baustellen. Ich lese ja sehr viel, sauge viele Informationen und Meinungen über den bindungs- und bedürfnisorientierten Erziehungsansatz auf, hinterfrage, überlege und versuche Gelesenes und für gut befundenes dann auch umsetzen. Es gelingt mir natürlich nicht immer, aber auf jeden Fall zunehmend.

wenn Der Partner es anders macht

Da Guido jetzt nicht so die Leseratte ist und leider nicht so die größte Lust hat sich theoretisch mit Bindungs- und Erziehungsansätzen auseinanderzusetzen, füttere ich ihn oftmals mit meinen neusten „Erkenntnissen“ oder lese ihm Passagen aus interessanten Artikeln vor.  Manchmal souffliere ih ihm sogar in für ihn schwierigen Situationen mit Frieda. Das ist mit ihm abgesprochen, es leuchtet ihm dann auch vollkommen ein und findet es ebenso absolut sinnvoll. Er versucht es dann ganz bestimmt auch umzusetzen, aber in der nächsten Situation dann…  und ich muss mich echt ziemlich zusammenreißen, um nicht immer nur die schimpfende Frau an seiner Seite zu sein. Das ist nämlich nicht nur für ihn absolut ätzend und vollkommen unattraktiv. Ich fühle mich dabei auch furchtbar un-lässig, aber ich wünsche es mir doch so sehr für unser Mini-Menschen-Mädchen. Ganz konkret, damit ihr euch etwas darunter vorstellen könnt, gehen Guido und ich mit Friedas Wünschen und Gefühlen etwas unterschiedlich um. Ja, das muss per se ja jetzt auch erstmal nichts Schlechtes oder Schlimmes sein, denkt ihr zu recht, denn ein Mini-Menschen-Kind kann ja durchaus zwischen Personen und ihren Vorgehensweisen unterscheiden. Es geht bei uns aber eben nicht in erster Linie darum, dass ich andere Dinge erlaube oder umgekehrt, sondern um den grundsätzlichen Umgang, den Ansatz, die Ideen, die Vorstellungen im Kopf und das Leben und Fühlen mit unserem kleinen Wesen.

Wie schreibt Jesper Juul so schön in seinem Ratgeber Elterncoaching?

>>Wir haben eine altmodische Vorstellung davon, dass wir Eltern immer einer Meinung sein müssen. Man muss nicht immer dasselbe sagen, man muss als Eltern auch nicht immer dasselbe denken! Das Wichtigste ist vielmehr, dass ihr beide es in Ordnung findet, dass ihr die Dinge unterschiedlich angeht.<<

In Ordnung finde ich es leider (noch) ganz und gar nicht. Es ist aber für mich auch eine gute Möglichkeit daran zu wachsen, mich zu entwickeln. Das will ich auch! Ich arbeite an mir. Hart, echt. Meckern will ich (eigentlich) auch nicht ständig. Die Vorgehensweise mit Kindern ist ja auch sehr oft von der eigenen Kindheit und den eigenen Erfahrungen geprägt. Zum Glück ist Guido absolut offen bei meiner „neverending-Kritik“. Er ist zwar so manches Mal genervt von mir, aber versucht dann doch eigene (und auch gerne meine!) Handlungsweisen zu hinterfragen und zu verändern. Das ist wundervoll! Nicht nur, aber dafür liebe ich ihn auch sehr.

Wenn verwandte es anders machen

Wie sieht es dann bei den Großeltern aus?  Großes Thema. Nicht nur, was die Ansichten, Einstellungen und RatSCHLÄGE der Schwiegereltern angeht. Auch meine Mama habe ich bereits das ein oder andere Mal von der Seite „angefahren“, weil sie etwas gegen meinen Wunsch gemacht hat. Das sind keine wirklich schrecklich-schlimmen Sachen, aber es sind dann doch ein kleines bißchen auseinanderklaffende Erziehungsansätze, die dann bei uns für Spannungen sorgen. Und wenn meine Mum unserer Frieda nur einfach ohne Ankündigung mit dem Waschlappen durchs Gesicht fährt oder ihr eine Himbeere in den Mund steckt. Ich finde das dem Mini-Menschen-Kind gegenüber übergriffig, wenn auch nicht furchtbar schlimm. Ich halte da meinen Mund nicht. Da sind wahrlich Vorgehensweisen anderer Großeltern die Hölle gegen. Ich lese immer wieder von Demütigungen, Verletzungen und dass Kinder dort gehorchen müssen. Urgs! Sowas gibt es bei uns nie und nimmer. Meine Mama ist trotzdem schon übervorsichtig bei mir geworden. Wir sehen uns aber auch nicht so oft und dann nur mal für ein paar Stündchen. Die Entfernung ist leider einfach zu groß. In einer Kolumne über Großeltern im österreichischen „der Standard“ schreibt Jesper Juul:

>>Kinder sind sowohl robust als auch verwundbar und vollauf fähig, durch unterschiedliche Realitäten zu navigieren, vorausgesetzt, sie haben zu Hause eine gute Basis.<<

Die gute Basis gibt es hier. Zumindestens geben wir unser Allerbestes und gut genug ist ja auch eben perfekt. Wir bleiben jedenfalls dran. Lernen dazu und wachsen. Aneinander und miteinander. Und streit und Zank gibt’s auch manchmal.

Jetzt aber mal Hand auf’s Herz. Geht ihr zu Hause immer konform mit den Dingen, die euer Partner so in Sachen Kindererziehung macht? Wie sieht’s bei Oma und Opa aus? Habt ihr unterschiedliche Erziehungs- und Beziehungsvorstellungen? Könnt ihr die anderen Meinungen gut annehmen oder schwillt euch auch schon mal der Hals und ihr haut auf den Tisch? Oder schluckt ihr alles runter? Ich bin gespannt. Plaudert mal aus eurem Nähkästchen!

3 Comments

  • Vorab, du liest die Bücher von Herbert Renz-Polster, da kannst du gar nichts falsch machen… 🙂
    Nein, jetzt mal im Ernst. Ich kenne das, wenn man daneben steht und am liebsten schreien würde, weil einem das Verhalten der anderen Person absolut gegen den Strich geht. Da es sich aber auch um die iSchwiegerMutter oder Schwägerin handelt, bekomme ich nicht immer meinen Mund auf. Für das Kind, ist es aber wichtig, unter verschiedene Menschen zu kommen und so zu sehen, dass all diese Persönlichkeiten „normal“ sind.
    Ich kann dich aber verstehen und finde es toll, dass du darüber einen Artikel verfasst hast ;-)!

    Alles Liebe für dich Nina

  • Kinder lernen so,dass jeder Mensch anders ist und sie darum auch anders behandelt.Sie selbst sollen sich ja auch nicht wie alle Kinder um sie herum verhalten , sondern individuelle Persönlichkeiten entwickeln.

  • Aus eigener Erfahrung kann ich dir versichern, dass es für das Kind absolut bereichernd ist, verschiedene Umgangsformen zu erleben. Auch wenn dir das eine oder andere absurd scheint. Ich wurde als hypersensitives und hypersensibles Kind in den seltensten Fällen mit Samthandschuhen angefasst und hätte mir mehrere Male einen anderen Umgang mit mir gewünscht. Wenn ich aber jetzt zurückdenke, waren es gerade unbequeme bzw. ungewöhnliche Verhaltensmuster anderer, die mich jetzt wiederum im Umgang mit anderen Menschen stark machen. Dadurch habe ich eine sehr hohe Emotionale Intelligenz erworben. Hätte man mich immer zuvorkommend und übervorsichtig behandelt, hätte ich es zwar für den Moment sicher geschätzt, aber für meine persönliche Entwicklung hätte es wohl nichts gebracht. Eine Ausnahme würde ich machen: Ärzte. Da sollte man das Kind immer gut auf jeden Besuch vorbereiten, alles vorankündigen und besprechen und auch darauf achten, dass die Ärzte das genauso beherzigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.