selbstbewusste kinder wollen wir!

ALLTAGSGESCHICHTE Wir alle wollen doch irgendwie selbstbewusste Kinder. Sie sollen mutig durchs Leben gehen und  sich selbst etwas zutrauen. Sie dürfen an sich glauben! Wir sprechen oft mit ihnen und predigen ihnen immer wieder, dass sie sich im Kindergraten oder der Schule von anderen Kindern bloß nicht alles gefallen lassen müssen. Wir sagen, dass sie zwar nicht (zurück) hauen, aber sich auf jeden Fall verbal zur Wehr setzen dürfen. Müssen! Sie sollen „Nein“ sagen, „Ich will das nicht! Lass‘ das.“, oder eben sogar lautstark um Unterstützung anderer bitten., falls ein freundliches „Nein“ nicht sofort Gehör beim Gegenüber findet. Ich selbst lebe unserer Frieda sogar passend dazu die abwehrende Handhaltung vor. Schon öfter hatten wir uns in unserem alten Veedel damit den, zwar netten aber sehr distanzlosen, Nachbarn auf Abstand gehalten. Wir alle bläuen unseren Mini-Menschen schon früh ein, dass sie mit anderen Menschen nicht mitgehen dürfen, dass sie in keine Autos steigen und nichts von anderen annehmen. Sie sollen laut und vehement „Nein“ sagen. In Schulen werden wichtige „Mut tut gut“-Trainings durchgeführt und manche Eltern melden ihre Kids in Selbstverteidigungskursen an. Ja, wir wollen selbstbewusste Kinder.

„Nein“ sagen beginnt im Kleinen

Ich gehe durch die Straßen und sitze im Bus. Ich bin tagtäglich in der Schule mit vielen, vielen wunderbaren Kindern zusammen und begegne hier und da den Eltern. Mit unserer Frieda gehen wir zum Reiten und zum Schwimmen und natürlich haben wir auch ein ganz normales Familienleben. Wir besuchen die Großeltern, treffen Freunde und Bekannte und so langsam bahnt sich auch die erste festere KiTa-Freundschaft an. Und immer und immer wieder frage ich mich, warum wir alle es unseren Kindern so schwer machen. Warum predigen wir etwas von „Nein“ sagen und akzeptieren dann das frühe „Nein“ unserer kleinen Lieblingsmenschen so selten? „Nein“ sagen zu üben beginnt doch im Kleinen. Bei uns zu Hause. Egal wohin ich höre, oft sind es Pseudofragen. Fragen, die keine Antwort benötigen. Fragen, bei denen die Antwort nämlich schon steht. Erst neulich wurde mir das so bewusst. Meine Mama war ein paar Tage bei uns zu Besuch und sie hatte unserem Mini-Menschen-Mädchen einen wunderschönen Zopf geflochten, der aber nach ein paar Stunden Spiel-Action aus der Form geraten war. „Soll ich dir den Zopf mal schnell neu machen, Maus?“, hörte ich meine Mutter das Kind fragen. „Nein!“ war die Antwort und trotzdem nestelte Friedas Oma nur eine Minute nach dem kindlichen „Nein“ an dessen Haarpracht herum. Es fiel mir so sehr wie Schuppen von den Augen. Und ich konnte meinen Mund nicht halten.

wir selbst haben es in der Hand

Wir selbst können es aber anders machen. Ab jetzt. Dieser Beitrag ist übrigens nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben. Nicht ihr macht es alle falsch und ich richtig. Ganz im Gegenteil. Diesen Text habe ich nämlich auch ein bißchen für mich geschrieben. Denn auch ich kann mich davon nicht frei machen. Auch ich lasse unserer Frieda manchmal die Wahl, obwohl es in meinem Kopf keine wirkliche Wahlmöglichkeit für sie gibt. Ab und zu passiert es mir nämlich auch, dass ich sie nach ihrem Wunsch frage und in Wirklichkeit ist es doch keine echte Entscheidungsfreiheit. Und dann fragen wir uns woher die ganzen selbstbewussten Kinder kommen sollen, die wir uns so wünschen. Kinder, die freundlich-bestimmt „Nein“ sagen.

Der erste Schritt etwas zu verändern ist aber zum Glück die Erkenntnis. Seitdem ich mir über diese bescheuerte Fragerei bewusst bin, passiert es mir jedenfalls fast gar nicht mehr. Denn ich schalte jetzt (fast) vor jeder Frage mein Hirn ein.

Was macht ihr, damit eure Kinder selbstbewusst sind/werden? Was kriegt ihr gut hin, woran hapert es bei euch? Habt ihr euch oder andere schon mal bei Pseudofragen erwischt?

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