warum bestrafung nicht hilft

REZENSION Unsere entspannte Auszeit auf dem Campingplatz habe ich total genossen. Wahrscheinlich habt ihr meinen kleinen Reisebericht bereits gelesen. Selten haben wir in einem so kurzen Urlaub so viel und intensiv entschleunigt. Zu meiner ganz persönlichen Freude habe ich mir auch wieder Zeit nehmen können, ein spannendes Buch zu lesen. Natürlich ist es auch diesmal wieder ein Erziehungs- oder besser Beziehungsratgeber für Eltern. Ganz grob geht es um ein achtsames Eltern-Kind-Miteinander, Konflikte und ihre Lösungsmöglichkeiten und warum Bestrafung bei Mini-Menschen-Kindern einfach niemals hilft. Klingt interessant? Ich stelle euch das Buch heute gerne näher vor.

Wir kennen es ja selbst nur zu gut. Konfliktpotential gibt es in Familien an jeder Ecke. Konflikte gehören zum Familienalltag und zum Leben dazu. Sie sind vollkommen normal. Das ist auch gut so, denn ohne Reibung entsteht ja auch keine Bindung. Diesen Spruch habe ich übrigens irgendwo mal gehört oder gelesen und verwende ihn seit jeher immer gerne, weil ich es sehr treffend formuliert finde. Da wo Menschen mit ihren unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen und ihren Persönlichkeiten aufeinandertreffen, kommt es einfach zu Konflikten. Die Frage ist dann nur, wie wir mit ihnen umgehen – vor allem, wenn sie unsere kleinen Lieblingsmenschen betreffen. Viele Eltern greifen, wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind, immer noch zum Mittel der Bestrafung. Kleine Kinder werden auf „Stille Treppen“ oder zumindestens auf einen Stuhl geschickt, ausgeschlossen von der Gruppe. Vielleicht matschen sie beim Essen und dürfen dann auf einem vom Tisch abgerückten Stuhl zuschauen, aber selbst nicht mehr teilnehmen. Aber auch das „ins Zimmer schicken“, der Hausarrest bei größeren Kindern, Handyverbot, das Wegnehmen von geliebten Spielzeugen, Fernsehverbot oder Taschengeldentzug stehen in vielen, vielen Familien sicherlich auch noch hoch im Kurs. Ich glaube und hoffe, dass die wenigsten Menschen von Strafen überzeugt sind. Die meisten dieser Eltern wissen doch eigentlich, dass eine Strafe, die in keinem direkten Zusammenhang zum „Fehlverhalten“ des Kindes steht, niemals das Problem lösen kann. Trotzdem verhängen sie diese jedoch – aus Hilflosigkeit. Es fällt ihnen so schnell einfach nichts anderes ein. Kinder können aber nunmal keine Verknüpfung zwischen „Fehlverhalten“ und Strafe herstellen und wird sein Verhalten nicht ändern, sondern nur wütend auf die aus seiner Sicht unfairen Eltern sein. Shefali Tsabary, die Autorin des tollen Buches „Mit Respekt und Liebe erziehen. Warum Bestrafung bei Kindern nicht hilft… und was Sie stattdessen tun sollten„, plädiert für natürliche Konsequenzen des Tuns. Nur so würden Kinder lernen, eigenverantwortlich zu handeln. Das Beispiel, in dem das ältere Kind wegen Trödelns den Bus verpasst und zu spät zur Schule kommt, klingt plausibel. Für Kleinkinder finde ich logische, natürliche Konsequenzen immer etwas schwieriger greifbar, aber selbstverständlich gibt es sie auch bei jüngeren Mini-Menschen. Dabei sollten Kinder aber nicht alleingelassen, sondern der Entwicklungsprozess des Kindes sollte akzeptieren, gefördert und in enger, liebe- und respektvoller Verbindung begleitet werden. Shefali Tsabary ist übrigens Psychologin und beschäftigt sich schon lange mit den fernöstlichen Lehren von Achtsamkeit hat daraus Anregung für ihre westlich orientierte, wissenschaftliche Psychologie bezogen. Sie hat eine eigene Praxis in New York und hält zusätzlich Vorträge auf der ganzen Welt.

Ich bin wirklich mal wieder sehr angetan von diesem Buch und kann mir, trotzdem ich natürlich ein kleines bißchen über das „Erziehen“ im Titel stolpere, wahnsinnig viele Inhalte für uns und unser Familienleben rausziehen. Zahlreiche Aspekte im Miteinander leben wir so auch bereits, an anderen Punkten hapert’s vielleicht noch etwas, für wieder andere braucht man eh einen gefühlten, guten Mittelweg – man ist ja eben auch nur Mensch. Wichtig ist aber, meiner Meinung nach, sich als Eltern zu sehen, sich in seinem alltäglichen Tun zu reflektieren und zu versuchen, etwas zu verändern (wenn man denn will). Ich jedenfalls will mich stets weiterentwickeln, viel Neues dazulernen und darin kann mich dieses Buch sehr gut unterstützen. Es um fasst übrigens 300 Seiten und kostet rund 20,- Euro.

[Das Buch wurde uns vom mvgVerlag zur Verfügung gestellt.]