kleinkind und das internet

REZENSION Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie dieses hier. Gibt es wirklich noch so viele Eltern, die ihre Mini-Menschen-Kinder vor der digitalen Welt und dem Internet „bewahren“ wollen? Ja, draußen an der frischen Luft die Natur zu entdecken und selbst mitzugestalten, Freunde zu treffen, Unsinn zu machen, Buden zu bauen und am Bach zu angeln ist nicht zu ersetzen -klar. Doch sollten wir unsere Augen doch nicht vor unserem digitalen Zeitalter und den ganzen neuen Medien verschließen. Unsere Kinder wachsen nunmal damit auf. Immer wieder greifen wir selbst zum Smartphone oder Tablet, wir sitzen vor dem Computer, befragen mal schnell google, wenn unser Kleinkind wieder mal eine wundervolle Frage stellt, die wir nicht beantworten können und schauen auch ab und zu mal in die Flimmerkiste. Wir alle sollten also unsere Mini-Menschen-Kinder schon frühzeitig auf virtuelle Spielplätze begleiten, damit sie nämlich später, wenn sie zum Beispiel in der Pubertät sind, dort sicher unterwegs sind und dann irgendwie zu medienkompetenten Kindern geworden sind. Für unsere Frieda wünsche ich mir das jedenfalls sehr.

Zu diesem spannenden Thema habe ich vor kurzem einen genialen Erfahrungsbericht-Ratgeber gelesen und möchte ihn euch wirklich ans Herz legen. Warum ich ihn so super finde? In „Ab ins Netz?! – Wie Kinder sicher in der digitalen Welt ankommen und Eltern dabei entspannt bleiben“ von Katja Reim wartet ihr vergebens auf den mahnenden Zeigefinger, der ausschließlich zu einem stark eingeschränkten Medienkonsum für Mini-Menschen-Kinder rät. Hier gibt es kein Non-plus-Ultra und kein kategorisches Richtig oder Falsch. Viel mehr erzählt euch die Autorin mit viel Know-How und Selbstironie, wie unperfekt-perfekt es bei ihnen zu Hause gelaufen ist, so dass ich mich selbst ganz oft in ihren Gedanken, Ideen oder Situationen des Lebens wieder finde.  So kann sicherlich jeder Familienalltag seine sehr individuellen Lösungswege gestalten. Das Buch ist natürlich für reflektierte Eltern wie dich und mich geschrieben. Für Eltern, die sich eh schon viele, viele Gedanken machen. Für Eltern, die viele Dinge des Alltags schon ziemlich cool rocken, aber manchmal bei Unsicherheiten kleine Hilfestellungen gut gebrauchen können. Dass unsere Kinder nicht gänzlich unkontrolliert mit einem Smartphone im Wartezimmer der Zahnarztpraxis sitzen, auf der Straße herumlaufen und auf richtig blöde Ideen kommen, ist ja klar. Es geht also viel mehr darum, dass wir uns als Eltern gut und gerne trauen sollten, auf unser Bauchgefühl zu hören. Dabei hat mich irgendwie ganz besonders der Satz „Sucht hat was mit Gefühlen zu tun und nicht mit Zeit“ geflashst, denn er sagt meiner Meinung nach schon (fast) alles Wichtige aus. Wenn wir unseren Mini-Menschen-Kindern nämlich beim Großwerden genug von alldem mitgeben, was sie wirklich brauchen, ist es am Ende ziemlich sicher total egal, wie lange sie unterm Strich vor der Flimmerkiste sitzen. Schwierig könnte es erst dann werden, wenn andere entscheidende Dinge einer geborgenen Kindheit fehlen! Liebe, Bedürfniserfüllung, Nähe, Vertrauen, Sicherheit und und und. Ihr wisst schon.

Und trotzdem man mit seinem Bauchgefühl bestimmt gar nicht so verkehrt liegt, kommen in „Ab ins Netz?!“ natürlich auch viele verschiedene Experten aus den unterschiedlichsten Fachgebieten zu Wort, die die Thematik noch vertiefen und den Erfahrungsbericht-Ratgeber von Katja Reim wunderbar ergänzen. Auf rund 200 Seiten in 16 Kapiteln hat dieses Buch aus dem Köselverlag für uns wirklich viel zu bieten. Und dabei war das Lesennicht nur rein informativen Charakters, sondern vor allem auch sympathisch, authentisch und witzig. Katja Reim ist übrigens Journalistin, Mutter einer Tochter im Grundschulalter und von Natur aus neugierig. Seit Jahren bloggt sie über die gemeinsamen Ausflüge in die virtuelle Welt und ihre Aha-Erlebnisse, wenn Erziehung mit digitalen Medien richtig Spaß macht. www.meincomputerkind.de

Wie ist das denn bei euch? Seid ihr entspannt, was die ganzen neuen Medien angeht oder versucht ihr eure Mini-Menschen-Kinder eher davon fernzuhalten? Gibt es bei euch Limits und Verbote?

[„Ab ins Netzt?!“ wurde uns vom Kösel Verlag zur Verfügung gestellt.]