alltag mit hochsensiblem kind #3

HOCHSENSIBILITÄT Ich erzähle euch ja in einer lockeren Reihe kleine Anekdoten aus unserem Alltag mit unserem hochsensiblem Kind. Manche Augenblicke sind vielleicht zum Schmunzeln, andere wiederum zeigen, wie wichtig es ist, gerade hochsensible Kinder mit ihren oft sehr intensiven Gefühlen nicht alleine zu lassen. Vor zwei Tagen waren wir auf der Frühlingskirmes hier in Köln. Auf der Kirmes waren wir im Herbst schon einmal und vor einem halben Jahr hatte der Besuch unserer Frieda eine große Freude bereitet. Zwar hielt sie sich hier und dort mal die Ohren zu, weil ihr die Musik einfach zu laut war, aber am Kirmesbesuch ist sie mal wieder sehr gewachsen. Mit der Hochsensibilität handhaben wir es nämlich ein bißchen so wie mit einer Desensibilisierung bei einer Allergie. Klar, der Vergleich hinkt etwas, aber gemeint ist, dass sich hochsensible Menschen ja irgendwie an unsere schnelle, hektische, zum Teil laute und manchmal auch sehr unfreundliche Umwelt gewöhnen müssen. Wir können und wollen uns ja nicht den ganzen Tag in unserer Wohnung verschanzen. Also besuchen wir zum Beispiel auch die Kirmes und probieren Fahrgeschäfte aus, die unserer Frieda sicher genug erscheinen. An diesem Tag hatten wir allerdings die Rechnung ohne den Oster-Feiertag gemacht, an dem unzählige Menschen zur Kirmes pilgerten und wir wieder einmal an eine deutliche Grenze unseres kleinen-großen Mädchens kamen. Guido und ich konnten Friedas Gefühle total nachvollziehen, selbst uns war es diesmal zu voll und viel zu laut. Es war einfach alles zu viel. Relativ schnell verließen wir also das Spektakel und ließen uns auf einer Mauer fernab des Getümmels mit einer Portion Pommes nieder.

Der einsame ballon fliegt davon

Als wir dann da so einträchtig und gemütlich saßen, bemerkte unser Mini-Menschen-Mädchen einen Heliumballon, der in den Himmel stieg. Er flog höher und immer höher. Das war nun endgültig zu viel für unser hochsensibles Kind. In sekundenschnelle überrannten sie unzählige Gefühle und Gedanken. Dieser arme, kleine Ballon tat ihr so unendlich leid, weil er nun ganz alleine in die Luft flog und sich unglaublich einsam fühlen müsse. Wohin er jetzt wohl getrieben würde? Ob es ihm dort gefalle und er schnell neue Freunde finden würde? Sie weinte so viele Tränen und konnte sich kaum beruhigen. Immer wieder kamen neue Gedanken zum Wohlbefinden des Ballons. Und natürlich war unsere Frieda auch empathisch mit dem Kind, das den Heliumballon verloren haben müsse. Wieder und immer wieder kullerten echte Tränen. Sie schluchzte, dass wir sie kaum verstehen konnten. Ohnehin drangen die meisten unserer Worte erstmal nicht zu ihr vor, so intensiv waren ihre Gefühle zu den Geschehnissen. Sowieso stehen Guido und ich dann auch mal ganz kurz etwas hilflos da und brauchen einen Augenblick uns mit Frieda und ihren Gefühlen verbinden zu können. Für uns Erwachsene ist es nämlich lediglich ein Heliumballon im Himmel. Nicht mehr und nicht weniger. Den Schmerz darüber erkennen, benennen, ernst nehmen und aufrichtig begleiten zu können, verlangt uns Eltern manchmal echt einiges ab. Da stoßen wir auch schon mal an unsere eigenen Grenzen.

Attachment Parenting für HSK

Für uns ist der bedürfnis- und bindungsorientierte Weg schon immer der einzig gangbare. Schon lange bevor wir von der Hochsensibilität unserer Tochter Frieda erfahren und darüber gelesen haben, haben wir uns sehr bewusst, aber gleichermaßen natürlich auch gefühlsgeleitet für das Attachment Parenting entschieden. Dass das unserem sehr empfindsamen Mädchen entgegen kommt, haben wir von der ersten Minute an gemerkt. Wir sind davon überzeugt, dass wir ihr nur so viel Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben können. Wir wollen ihr sicherer Hafen sein, in den sie immer wieder einlaufen kann, wenn ihr danach ist und sie unsere Unterstützung in für sie schwierige Situationen benötigt. Diese sichrere Basis braucht natürlich jedes Kind. Hochsensible Mini-Menschen benötigen aber meistens öfter eine sehr intensive Begleitung, weil viele Augenblicke unseres Lebens für sie nicht so selbstverständlich und kinderleicht zu bewältigen sind.

Mitleid und große Empathie mit Dingen. Kennt ihr? Welche (vielleicht ähnliche) Situation hat eure Kinder gefühlsmäßig mal total überrollt? Wie geht ihr mit den Gefühlen um?

Jeder Mensch ist anders, so auch jedes hochsensible Kind. Es gibt wahnsinnig viele Facetten von Hochsensibilität und diese eine Anekdote aus unserem Alltag macht allein natürlich nicht Friedas hochsensibles Wesen aus.

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