dann möchte ich mich anbrüllen

klein1ALLTAGSGESCHICHTE Frieda und ich gehen gemütlich die Straße entlang. Wir sind auf dem Weg zu unserem Lieblingsladen und quatschen über Gott und die Welt. So ist das immer mit uns. Als wir an diesem Tag einem sehr hübschen Hund begegnen, kommt das Thema sofort auf unsere alte Hundeoma Grete und darauf, dass sie ja auch irgendwann einmal sterben wird. Ja. Frieda und ich reden meistens über wirklich spannende Dinge des Lebens. Ich bin dabei sehr bemüht, all‘ ihre Gedanken, Ideen und Vorstellungen ernst zu nehmen und ihre oft sehr tiefsinnigen Fragen zu beantworten. Mittlerweile ist unsere Frieda schon so groß und so verständig, dass es mir manchmal so vorkommt, als würde ich mit einem älteren Mädchen reden. Und dann passiert es, dass ich bei unseren Gesprächen schmunzeln muss. Es ist aber ein stolzes und schönes Schmunzeln. Ein freudiges. Ich liebe es so sehr, mich mit unserem Mini-Menschen-Mädchen zu unterhalten. Sie weiß schon so viel, merkt sich Dinge meistens sofort, hat wahnsinnig gute Ideen und stellt unendlich viele neue und tolle Fragen. Sie ist klein und trotzdem so groß.

Wer groß denken und reden kann

klein2Unsere Frieda beeindruckt mich jeden Tag aufs Neue. Sie geht so wissbegierig und interessiert durch diese Welt und ist dabei verständnisvoll und kooperativ. Heute morgen zum Beispiel brach bei uns ein totaler Notfall aus. Es war 6:20 Uhr. Ich war gerade dabei Frieda zu wecken, da bemerkte ich, dass unsere Hündin Grete stark hechelte und nervös durchs Schlafzimmer lief. Sie musste. Oh, man. Wie jeden Morgen war Guido doch, bevor er zur Arbeit fuhr, mit ihr unterwegs. Das war keine 15 Minuten her. Egal. Sie musste. Jetzt! Das bedeutete für Frieda: Keine Zeit langsam wach zu werden, noch ein paar Minuten gemütlich zu kuscheln und keine Zeit für mich die kleinen, niedlichen Füße einzeln zu begrüßen. Kein Frühstück, kein Umziehen, kein Spielen. Wir mussten raus. Sofort. So schnell wir konnten. Da liefen wir also in aller Herrgottsfrühe im biestigen  Schneeregen die Straße hinab zur kleinen Hundewiese. Ohne Murren, ohne Tränen, ohne Jammern. Ganz im Gegenteil. Sogar in dieser Situation hatte unser Mini-Menschen-Mädchen dann noch mitfühlende Worte für unseren durchfallgeplagten Hund. Unsere Frieda denkt groß, redet groß und verhält sich ganz oft schon so groß. So wie heute.

du musst nicht immer funktionieren

kind3Und dann vergesse ich aber manchmal, dass sie eigentlich noch so klein ist. Dann erwische ich mich nämlich dabei, dass ich in manchen Situationen zu viel von ihr verlange. Ihr zu viel zumute. Das allabendliche Zähneputzen ist zum Beispiel sowas. Da steht dann dieses kleine Wesen vor mir, erschöpft vom Tag. Müde von sozialen Kontakten, vom Denken und Reden, vom Toben und Turnen, vom Kooperieren und Verstehen, vom Fragen und Antworten. Ach, von einfach allem, was Kinder den ganzen Tag so machen und machen müssen. Und dann soll sie am Abend noch Verständnis dafür zeigen, dass Zähneputzen (mir) jetzt so wichtig ist. Dann möchte ich mich selbst packen und schütteln, mir ins Gesicht brüllen und mir sagen, dass ich einmal die Augen weiter öffnen sollte. Öffnen für das, was unser kleiner Lieblingsmensch alles so toll mit macht, ganz selbstverständlich. Und dann denke ich tatsächlich daran, wie klein sie eigentlich noch ist, obwohl sie oft schon so groß auf mich wirkt. Mit diesem Blick auf mein geliebtes Kind fällt es mir dann leicht, auch anstrengende Situationen gelassener zu meistern.

Kennt ihr? Was macht ihr, damit ihr in schwierigen und anstrengenden Alltagssituationen mit eurem Kind gelassen bleibt?