mit fantasie und sprache spielen

ALLTAGSGESCHICHTE fantasie1Heute war ich mit unserem Mini-Menschen-Mädchen in der Stadt. Wir waren auf der Suche nach Stoffen für ihr Karnevalskostüm und steuerten erstmal den hiesigen Karstadt an, um die Stoffabteilung abzuscannen. Auf unserem Weg durch eine der zahlreichen Kölner Passagen erblickten wir dann eine elektrische Kleinkind-Eisenbahn. Ein Junge fuhr gerade ein paar Runden und unsere Frieda beobachtete seine Fahrt sehr genau und überlegte lange. Sie kam zu dem Schluss, dass wir lieber erst die Stoffe besorgen sollten. Frieda brauchte also Bedenkzeit. Auf dem Rückweg verkündete sie aber stolz, dass sie tatsächlich auch mal mit der Eisenbahn fahren wolle. Was für viele Kinder gar keine Frage ist, ist für unser Mini-Menschen-Kind nicht immer so einfach. So ist der Alltag mit hochsensiblen Kindern. Das soll aber heute gar nicht mein Thema sein, sondern ich will euch von der Sprachentwicklung, von Wortschöpfungen, lustigen Kreationen und der Fantasie erzählen und dass das alles normal, richtig und wichtig ist. Denn heute in der Bahn fuhr unsere Frieda mal wieder in eine fantastische Stadt.

„Ibeping“ lebt im Zoo und frisst fisch

fantasie2Die Sprachentwicklung ist bei unserer Frieda so ziemlich normal verlaufen. Sie gehörte, glaube ich, zwar eher zum Typ „Wortsammler“ und polterte eher selten Wörter einfach so raus, aber irgendwann ging es dann los – und zwar weitestgehend richtig. Trotzdem gab‘ es natürlich auch bei uns ein paar lustige Wortkreationen, wenn sie Wörter nicht richtig aussprechen konnte. Aus dem Pinguin wurde dann zum Beispiel ganz schnell der „Ibeping“. So entsteht ja für manche Familien regelrecht eine Art Geheimsprache, weil manche Wortbildungen so lustig sind, dass sie fortan von allen Familienmitgliedern benutzt wird. Wir haben Friedas witzigen Wörter in ihrem Erinnerungsbuch notiert und auch heute erzähle ich ihr manchmal davon. Viele Kinder erfinden ja auch ganz andere Wörter für verschiedene Gegenstände und nennen einen Staubsauer z.B. „Dallum“. Das lässt sich dann noch nicht mal irgendwie ableiten, aber hat natürlich auch seine Bewandtnis für das Kind.

„Mama, Ich fahre heute nach Okole!“

fantasie3Dass etwas ältere Kinder nicht immer richtig und vollständig sprechen wollen oder am Ende des Tages auch gerne mal zu schlapp sind, steht auf einem ganz anderen Blatt und hat nichts mit dem grundsätzlichen Sprachvermögen zu tun. Von unserer Frieda kommt auch schon mal ein „Mama, Arm!“, obwohl sie über dieses Stadium natürlich schon längst hinaus ist. Was uns aber bereits seit einiger Zeit begleitet und ihr sichtlich Freude bereitet, sind Fantasiewörter. Das sind meistens Wörter, die sie in Spielsituationen verwendet und sich dabei schelmisch kaputtlacht. Sie weiß also, dass das Quatschwörter sind und ihrer Fantasie entspringen. Und gerade deshalb hat sie sichtlich Freude daran. So fährt unsere Frieda manchmal nach „Okole“, reitet mit dem Holzpferd nach „Sasu“ oder wahlweise auch nach „Leli“. Im Moment läuft sie auch hexend durch die Wohnung und murmelt Hexsprüche, die denen von Bibi Blocksberg ähneln. Dabei entstehen auch sehr seltsame Wortbildungen, die sich dann aber zumindestens meistens reimen. Mini-Menschen-Kinder beim Erlernen der Sprache zu beobachten und zu unterstützen, ist für mich total spannend und aufregend. Während ich mir am Anfang gar nicht so sicher war, wie ich wohl am besten auf (bewusste) Fantasiewörter reagieren sollte, weiß ich inzwischen ganz genau, dass ich mich einfach mit ihr freue, mich mit ihr schlapp lache und ihr sogar auch mit Quatschwörtern antworte. Wir fordern Frieda weder dazu auf, richtig zu sprechen, noch würden wir uns von ihr abwenden, wenn sie nicht „richtig“ mit uns spricht. Sprache zu entdecken heißt nämlich eben auch, sie umfassend auszuprobieren, mit ihr zu spielen, Worte zu erfinden, zu experimentieren und selbst neue Wortverbindungen zu kreieren. So ein gemeinsames Quatschwörter-Spiel begeistert, bringt zum Lachen und erhält uns die wunderbar kindliche Fantasie. Uns zumindestens. Wie ist das bei euch?

Welche Wortkreationen eurer Kinder waren im Kleinkindalter echte Renner?

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