der kinder-TÜV und die u7a

kinder-tüv1ALLTAGSGESCHICHTE Vor ein paar Wochen blätterte ich durch Friedas Untersuchungsheft, weil es mir beim Abheften von Dokumenten, Lohnabrechnungen und Rechnungen irgendwie zufällig in die Hände fiel. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass wir die U-Untersuchung rund um den 3. Geburtstag total vergessen hatten. Natürlich rief ich sofort in der Kinderarztpraxis an und ließ mich durch die nette Stimme der Sprechstundenhelferin beruhigen, die sagte, dass wir trotzdem noch voll im Zeitrahmen der U7a seien. Puh! Nicht, dass es mir großen Stress bereitet mal etwas vergessen zu haben oder ich irgendwie Bammel hätte. Nein, aber auf freundliche Post vom Amt hat ja keiner so wirklich Lust. Eigentlich brauchen wir unseren Kinderarzt auch nur, wenn das Kind richtig krank ist. Sonst denken wir (zum Glück) gar nicht an die sogenannten Kittel in weiß. Nämlich um zu wissen, dass unser Mini-Menschen-Mädchen normal entwickelt ist, benötigen wir definitiv nicht unbedingt einen Arztbesuch. Da dieser Kinder-TÜV aber irgendwann einmal zu einer Pflicht geworden ist, was in meinen Augen natürlich sinnvoll ist, da man allen Eltern immer nur vor den Kopf schauen kann, müssen wir eben hin. Vergangene Woche wurden wir dann also mit unserer Frieda vorstellig.

die Untersuchung beim Kinder-TÜV

kinder-tüv2Das normale Prozedere. Es ging los mit einem Fragebogen, von dem ich alle Fragen mit einem klaren „Nein“ beantwortete. Das waren knapp 15 Fragen rund um das kindliche Verhalten. Es ging um extreme Wutanfälle, Zurückgezogenheit oder große Probleme bei einer Trennung von Mama, aber auch um Ess- und Schlafverhalten und zum Beispiel auch um die Kontaktaufnahme zu Fremden. Unsere introvertierte, hochsensible Frieda fiel aber dabei nicht besonders aus dem Rahmen. Die Ärztin fragte uns dann noch gefühlte 1000 Fragen. Ein paar waren selbstverständlich direkt an Frieda gerichtet, die sie alle bereitwillig beantwortete. Dann gab’s noch ein Interview u.a. zu Schnuller, Windel, Rollenspiele, Motorik, Selbstständigkeit und Essen. Außerdem untersuchte die Ärztin unser Mini-Menschen-Mädchen natürlich. Sehkraft, Gewicht, Größe, Kopfumfang, Hüpfen, Zehenspitzen- und Fersengang, Bilder erkennen, Wortschatz und Aussprache, um nur ein paar Aspekte zu nennen. Alles wunderbar. „Schöne Entwicklung“ steht im U-Untersuchungsheft des Kinder-TÜV. Trotzdem habe ich mich ein klitzekleines bißchen gewundert…

Ärzte sind weniger bedürfnisorientiert

Unsere Kinderarztpraxis ist toll. Sie hat einen sehr guten Ruf und kann gar nicht so viele Kinder aufnehmen, wie sich Eltern „bewerben“. Das weiß ich von anderen Kölner Mamas. Da unsere Frieda besonders empfindsam ist und vielleicht etwas mehr als manch andere Kinder zugewandte Ärzte braucht, haben wir uns mittlerweile sehr bewusst für die netteste Ärztin der Praxis entschieden. Mit dem behandelnden Arzt davor klappte es nicht immer ganz so gut. Friedas Ärztin ist aber wirklich toll und geht  freundlich und rücksichtsvoll mit Mini-Menschen-Kindern um. Sie erklärt alles sehr genau und von ihr würde man nie ein „Das muss aber jetzt sein!“ oder harsche Ansagen hören. Trotzdem stelle ich immer wieder fest, dass Ärzte einfach einen etwas anderen Blick auf das Kind haben. Das ist natürlich auch gut so, keine Frage. Trotzdem bleibe ich ja die Mama, der Experte für dieses Kind mit eigenen Ideen, Vorstellungen und Wünschen. Ich habe nie mit meinem Säugling Schlaftrainings durchgezogen oder es aus dem Familienbett verbannt. Ich habe nie nach der Uhr gestillt und auch nicht einfach rigoros den Schnuller weggelassen.  Das wurde mir von Ärzten nämlich schon empfohlen. Und auch würde ich nie Belohnungen einsetzen, damit unser kleiner Lieblingsmensch „trocken“ wird. So wurde es uns nämlich diesmal vorgeschlagen. Bisher hat sich bei unserer Frieda aber alles, wirklich alles, von ganz alleine ergeben. Irgendwann hat sie nicht mehr nach der Brust verlangt und sich somit selbst abgestillt. Irgendwann hat sie, ganz ohne Entzug, nicht mehr nach dem Schnuller verlangt und irgendwann hat sie, ohne Schlaftraining, durchgeschlafen. Ja, und irgendwann, wenn ihr Zeitpunkt gekommen ist, wird sie auch von ganz alleine die Windel ablassen und aufs Klo gehen wollen. Da bin ich sicher und lasse mich durch den Kinder-TÜV nicht von unserem wunderschönen, bedürfnisorientierten Weg abbringen.

Welche Erfahrung habt ihr mit Ärzten gemacht? Sind sie auch fachlich super, aber weniger offen für einen bedürfnisorientierten Weg? Was habt ihr über Kinderärzte in Praxen und Krankenhäuser zu erzählen? Alles toll oder schon einmal Schreckliches erlebt?

3 Comments

  • Hallo! Toller Bericht und mal wieder zuckersüße Fotos von Frieda. Bin da total deiner Meinung. Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus. Ich finde heutzutage sind manche Ärzte da sehr extrem. Wir haben Gott sei Dank das Glück einen guten Kinderarzt zu haben, der auch in punkto Impfungen seine Patienten selbst entscheiden lässt. Das.
    war uns auch sehr wichtig. Der Arzt ist sehr gefragt und dementsprechend ist er sehr ausgebucht aber trotzdem habe ich nie den Eindruck gehabt wir werden abgefertigt. Allerdings ist meine Kleine immer etwas gehemmt wenn sie den Arzt sieht weil sie ihn direkt mit den fiesen Spritzen verbindet :-/ Hoffe das gibt sich irgendwann.

  • Ich sehe es genau so wie du. Durch Umzug und jeweils Gemeinschaftspraxen habe ich schon etliche Kinderärzte kennengelernt. Einen Großteil davon fand ich im „Normalgeschäft“ toll und kinderfreundlich, aber in Sachen Stillen/Ernährung/Schlaf etc. gilt dann meist nur gängige Lehrbuchmeinung und wenn es nicht wie ein Uhrwerk funktioniert, wird ein strengeres Durchgreifen der Eltern erwartet. Habe auch noch niemanden kennengelernt, der z.B. Stillen über das erste Lebensjahr hinaus befürwortet hätte.
    Bei meinem ersten Kind ging es schon früh ums Thema Essen. Weil ich einfach überhaupt keine Erfahrung hatte, habe ich mich sehr auf die Meinung des Arztes verlassen und gedacht, mein Gott, das Kind MUSS doch jetzt „richtig“ Essen. Er meinte, sie sei jetzt zu alt für Babykost und solle am Familientisch mitessen – was sie aber komplett verweigerte. Es begann eine sehr stressige Zeit, in der uns quasi dazu geraten wurde, die Bedürfnisse des Kindes zu übergehen, aber gleichzeitig dem Thema Essen nicht zu viel Bedeutung beizumessen und Machtkämpfe zu vermeiden. Aber das eine führte ja automatisch zu dem anderen…
    Wir waren dann im SPZ (sozialpädiatrisches Zentrum) und haben uns alles mögliche angehört, und meine Tochter isst mit inzwischen 6 Jahren immer noch sehr sehr wählerisch. Unsere neue Ärztin hat zum Glück eines ihrer drei Kinder mit ganz ähnlichem Verhalten, und daher ist sie bei diesem Thema ganz cool.
    Bei meinem zweiten Kind kann ich die Meinung der Ärzte inzwischen anders einordnen. Ich höre es mir gerne an und hinterfrage dann auch mal mein eigenes Verhalten; wenn ich aber zu dem Schluss komme, dass es der bessere Weg für uns ist, dann zweifele ich auch nicht länger daran und bleibe dabei.
    Jetzt ist es z.b. eher das Thema Familienbett, Einschlafstillen usw. Das findet die o.g. Ärztin dann nämlich wieder weniger toll, aber wahrscheinlich hatte keines ihrer eigenen Kinder genau dieses Bedürfnis, sonst wäre sie vielleicht offener dafür.
    Alles Gute euch allen!

  • Ach wir bräuchten eigentlich auch keine Untersuchungen, die uns ja doch nur bestätigen, dass sich unsere Kinder total normal entwickeln

    Unser Kinderarzt ist sehr kompetent, neigt glücklicherweise nicht dazu, überall Krankheit und Probleme zu wittern und mischt sich bisher auch nicht weiter ein, als es ihn was angeht. Zudem ist er sehr pro Stillen auch bei größeren Kindern (also nach dem 1. Geburtstag). Zum Schnuller hatte er damals ebenfalls nix gesagt.
    Manchmal ist er aber etwas speziell, so menschlich, doch was soll’s, mittlerweile mag ihn sogar meine Tochter

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